Bei Medikamenten gegen Depressionen sind Nebenwirkungen häufig. Sie hängen vom jeweiligen Antidepressivum und von der individuellen Verträglichkeit bei den Betroffenen ab. Erfahre, welche Nebenwirkungen bei welchen Wirkstoffen zu erwarten sind und was dir im Alltag helfen kann.
Medikamente gegen Depressionen und ihre Nebenwirkungen: Das Wichtigste kurz gefasst
- Typische Nebenwirkungen von Medikamenten gegen Depressionen sind Übelkeit, Kopfschmerzen, innere Unruhe sowie Probleme beim Ein- oder Durchschlafen. Sie klingen meist nach einigen Wochen wieder ab, wenn sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat.
- Nebenwirkungen je nach Wirkstoff: Einige Antidepressiva verursachen Magen-Darm-Probleme oder verändern den Schlaf und die Sexualfunktion, andere machen müde und beeinflussen das Gewicht.
- Geduld für die Wirkung: Eine spürbare Verbesserung deiner Stimmung zeigt sich oft erst nach zwei bis vier Wochen – die Nebenwirkungen können aber schon vorher auftreten.
- Vorsicht gilt bei der gleichzeitigen Einnahme von Johanniskraut, Alkohol und bestimmten Schmerzmitteln wie Ibuprofen, da diese das Risiko für Blutungen oder ein Serotonin-Syndrom erhöhen können.
- Warnzeichen sind Symptome wie starkes Fieber, Verwirrtheit oder das Wiederauftreten suizidaler Gedanken – hol dir in so einem Fall sofort medizinische Hilfe.
- Für das Absetzen des Antidepressivums ist ein langsames, ärztlich begleitetes Ausschleichen der Dosis sehr wichtig, weil es unangenehme Symptome verhindert oder zumindest reduziert.
- Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) deprexis kann dir helfen, das Selbstmanagement deiner Depressionen im Alltag z.B. durch hilfreiches Wissen und gezielte Übungen zu unterstützen.
So funktionieren Antidepressiva
Jedes Medikament gegen Depressionen wird je nach seinem Wirkstoff einer Wirkstoffgruppe zugeordnet. Jede Gruppe wirkt auf unterschiedliche Weise auf die Neurotransmitter im Gehirn, um die Symptome einer Depression zu lindern.
Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die Informationen zwischen Nervenzellen oder zwischen Nerven- und Muskel- oder Drüsenzellen über die Synapsen weiterleiten. Sie sind entscheidend für die Steuerung von Körperfunktionen, Gedanken und Gefühlen, indem sie Signale durch den Körper senden.
Neurotransmitter und ihre Rolle
Wichtige Botenstoffe für das Wohlbefinden sind Serotonin, Dopamin und Noradrenalin.
- Serotonin ist wichtig für die Stimmung, den Schlaf, Appetit und Entspannung. Ein Mangel kann Angstgefühle und Niedergeschlagenheit fördern.
- Dopamin sorgt für angenehme Gefühle und Motivation. Ein Mangel kann zu Niedergeschlagenheit führen.
- Noradrenalin hat eine aktivierende und wachmachende Funktion. Ein Mangel kann die Antriebslosigkeit verstärken.
Bei Depressionen spielen Ungleichgewichte bei Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin eine Rolle, da diese die Signalübertragung zwischen Nervenzellen beeinflussen. Ein Mangel an diesen Botenstoffen kann zu Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Freudlosigkeit führen.
Medikamentöse Behandlung
Antidepressiva setzen genau da an und zielen darauf ab, die Konzentration dieser Neurotransmitter im Gehirn zu erhöhen, um die Symptome zu lindern. Viele Antidepressiva wirken, indem sie den Abbau oder die Wiederaufnahme von Neurotransmittern im synaptischen Spalt hemmen. Dies führt zu einer erhöhten Konzentration der Botenstoffe und einer verbesserten Signalübertragung. Die Wirkung ist nicht bei allen Menschen gleich, was auf individuelle Unterschiede in der Neurotransmitter-Verarbeitung hindeutet.
Nebenwirkungen von Medikamenten gegen Depressionen
Antidepressiva haben viele Nebenwirkungen, weil sie nicht nur gezielt auf eine einzige Botenstoffbahn wirken, sondern oft mehrere Neurotransmittersysteme im Gehirn beeinflussen. Hinzu kommen individuelle Unterschiede in der Verträglichkeit und der anfängliche "Nebenwirkungs-Schub", bis sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat.
Die Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Wirkstoffgruppe des Antidepressivums:
SSRI und SNRI – Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer
- Typische Effekte sind Magen-Darm-Beschwerden, Schlafveränderungen und Kopfschmerzen – diese sind oft vorübergehend.
- Sexualfunktionsstörungen wie eine verringerte Libido, eine verzögerte Ejakulation oder Orgasmusprobleme sind weit verbreitet. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber: Es gibt Strategien, wie zum Beispiel die Anpassung der Dosis, ein anderer Einnahmezeitpunkt oder der Wechsel zu einem anderen Präparat.
- SNRI können zusätzlich den Blutdruck und die Herzfrequenz beeinflussen, eine Überwachung ist sinnvoll.
NDRI – Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer, Beispiel: Bupropion
- Vorteil: Tendenziell weniger sexuelle Störungen.
- Nachteil: Bupropion senkt die Krampfschwelle und erhöht damit das Risiko für Krampfanfälle. Es darf außerdem nicht bei einer aktuellen oder früheren Essstörung sowie bei einem abrupten Alkoholentzug eingenommen werden.
- Welche Nebenwirkungen hat Bupropion? Schlaflosigkeit und Mundtrockenheit treten häufig auf.
NaSSA – Noradrenerge und spezifisch-serotonerge Antidepressiva, Beispiel: Mirtazapin
- Macht eher müde und kann zu einer Gewichtszunahme führen.
- Verursacht seltener Übelkeit oder sexuelle Störungen als SSRI.
- Mirtazapin-Erfahrungsberichte: Nutzer:innen berichten häufig über eine beruhigende Wirkung und einen besseren Schlaf.
TZA – Trizyklika
- Typische Effekte sind Mundtrockenheit, Verstopfung und Schwindel.
- Sie werden heute eher selten eingesetzt.
MAOI – Monoaminoxidase-Hemmer
- Bei dieser Wirkstoffgruppe ist eine strikte Diät und eine engmaschige Kontrolle von Wechselwirkungen nötig.
- Auch sie werden nur noch selten eingesetzt.
Melatonin-Agonist, Beispiel: Agomelatin
- Besonderheit: Vor und während der Behandlung müssen die Leberwerte kontrolliert werden. Das Mittel darf bei bestehenden Lebererkrankungen nicht angewendet werden.
Nebenwirkungen der wichtigsten Wirkstoffgruppen im Überblick
- Wirkstoffgruppe: SSRI/SNRI (Selektive Serotonin-/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)
Wirkstoff-Beispiele: Sertralin, Citalopram, Venlafaxin
Vorübergehende Nebenwirkungen: Übelkeit, Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen, innere Unruhe und Angstzustände sowie Schlafstörungen.
Langfristige Nebenwirkungen: Sexualfunktionsstörungen, Gewichtszunahme und bei SNRI ein erhöhter Blutdruck und Puls. - Wirkstoffgruppe: NaSSA (Noradrenerge und spezifisch-serotonerge Antidepressiva)
Wirkstoff-Beispiele: Mirtazapin
Vorübergehende Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel und ein erhöhter Appetit.
Langfristige Nebenwirkungen: Gewichtszunahme. - Wirkstoffgruppe: NDRI (Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer)
Wirkstoff-Beispiele: Bupropion
Vorübergehende Nebenwirkungen: Schlaflosigkeit, Mundtrockenheit und Kopfschmerzen.
Langfristige Nebenwirkungen: Erhöhtes Risiko für Krampfanfälle, Sexualfunktionsstörungen.
Was tun bei Nebenwirkungen?
Viele Nebenwirkungen lassen sich mit einfachen Schritten abmildern.
1. Selbsthilfe im Alltag
Schaffe dir Routinen und nimm das Medikament täglich zur selben Zeit ein. Bei Übelkeit hilft die Einnahme des Medikaments zusammen mit einer Mahlzeit. Bei starker Müdigkeit kannst du das Mittel nach Abstimmung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt auch abends nehmen, bei Unruhe eher morgens. Ganz wichtig: Bewege dich regelmäßig, achte auf deine Schlafhygiene und trinke ausreichend.
2. Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt
Bringe am besten eine Liste zu deinem Termin mit, die du die Tage zuvor erstellt hast. Darin hast du notiert:
- Welche Nebenwirkung habe ich?
- Seit wann?
- Wie stark sind sie auf einer Skala von 0–10?
- In welchen Situationen treten sie auf?
Schreibe auch auf, was die Beschwerden verringert oder verschlimmert. Das Gespräch dreht sich um die Frage: „Soll ich die Beschwerden aushalten und abwarten, die Dosis ändern, das Präparat wechseln oder eine zusätzliche Behandlung versuchen?“.
3. Anpassungen durch die Praxis
Ärztlich sind verschiedene Schritte möglich. Wichtig dabei ist, dass du keine Selbstexperimente machst. Der Einnahmezeitpunkt kann variiert, die Dosis schrittweise angepasst, das Präparat kann gewechselt oder es kann ein ergänzendes Präparat hinzugefügt werden. All das passiert immer auf Basis einer individuellen, ärztlichen Abwägung.
4. Absetzen und Wechsel
Stoppe die Einnahme des Medikaments niemals abrupt: Das langsame und vor allem ärztlich begleitete Ausschleichen reduziert unangenehme Absetzbeschwerden. Typische Absetzsymptome wären Schwindel, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit.
Digitale Unterstützung (DiGA)
deprexis ist eine verordnungsfähige Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), ein Onlineprogramm, das mit den Wirkungsprinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie arbeitet. deprexis kann dich mit Wissen und Übungen täglich dazu motivieren, gesundheitsfördernde Routinen aufzubauen, Nebenwirkungen strukturierter zu beobachten und deinen Alltag zu stabilisieren. Deine Arztpraxis kann dir ein Rezept ausstellen, deine Krankenkasse übernimmt die Kosten. Die DiGA kann zu jeder Zeit an jedem Ort genutzt werden.