Depression & Krankenstand: Wie häufig sind depressive Erkrankungen im Job?
Psychische Erkrankungen gehören zu den wichtigen Ursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten in Deutschland. Besonders Depressionen können dazu führen, dass Beschäftigte über längere Zeit nicht arbeiten können. Doch wie hoch ist der Krankenstand wegen einer Depression tatsächlich? Wie viele Menschen sind betroffen, wie lange dauern die Fehlzeiten im Durchschnitt und in welchen Branchen treten besonders viele Arbeitsausfälle auf? In diesem Artikel erhältst du einen genauen Blick auf aktuelle Daten zum Krankenstand bei Depressionen.
Depression & Krankenstand: Das Wichtigste kurz gefasst
- Depressionen verursachten 2025 rund 202 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 DAK-versicherte Beschäftigte. Damit waren sie die häufigste einzelne Diagnose innerhalb der psychisch bedingten Fehlzeiten in dieser Auswertung.
- Psychische Erkrankungen insgesamt verursachten 2025 durchschnittlich 34,2 Arbeitsunfähigkeitstage pro Krankschreibungsfall bei bspw. DAK-versicherten Beschäftigten.
- Besonders hohe psychisch bedingte Fehlzeiten zeigen sich in Bereichen wie Gesundheitswesen, Pflege und Kinderbetreuung.
- Je nach Diagnose und Datengrundlage dauern Fehlzeiten wegen depressiver Erkrankungen häufig mehrere Wochen. Bei einer depressiven Episode und einer wiederkehrenden Depression können sich die durchschnittlichen Falldauern des Krankenstands unterscheiden.
- Es gibt keine einzelne Statistik, die alle Menschen in Deutschland erfasst, die wegen einer Depression zum Krankenstand beitragen. Krankenkassenberichte bilden jeweils die Versicherten ihrer eigenen Datengrundlage ab.
Wie hoch ist der Krankenstand wegen Depression in Deutschland?
Depressionen sind nicht nur eine persönliche gesundheitliche Belastung, sondern auch ein wichtiger Faktor bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten in der Arbeitswelt. Wie groß ihr Anteil ist, zeigen Auswertungen gesetzlicher Krankenkassen.
Laut dem DAK-Psychreport 2026 verursachten depressive Episoden und wiederkehrende depressive Störungen im Jahr 2025 insgesamt 201,9 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 DAK-versicherte Beschäftigte. Im Vorjahr waren es 182,6 Tage. Depressionen machten damit rund 55 Prozent des gesamten psychisch bedingten Krankenstandes in der untersuchten Gruppe aus.
Die Zahl von rund 202 Fehltagen je 100 Beschäftigte bedeutet nicht, dass jede beschäftigte Person zwei Tage wegen Depression fehlt. Es handelt sich um eine statistische Kennzahl, die sämtliche erfassten Arbeitsunfähigkeitstage auf 100 Versicherte bezieht. Einzelne Betroffene können mehrere Wochen ausfallen, während andere gar nicht oder nur für kurze Zeit arbeitsunfähig sind.
Auch der allgemeine Krankenstand lässt sich nicht direkt mit dem Krankenstand wegen Depression gleichsetzen. Im Jahr 2025 waren Arbeitnehmer:innen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 14,6 Arbeitstage krankgemeldet. Dieser Wert umfasst Krankmeldungen aufgrund sämtlicher Erkrankungen und ist deshalb nicht mit den diagnosebezogenen Kennzahlen der Krankenkassen vergleichbar.
Wie viele Menschen sind wegen Depression krankgeschrieben?
Eine bundesweit einheitliche Zahl, wie viele Beschäftigte in Deutschland wegen einer Depression krankgeschrieben sind, lässt sich aus den veröffentlichten Krankenkassenberichten nicht ohne Weiteres ableiten. Die Berichte unterscheiden sich unter anderem darin, welche Versicherten erfasst werden, wie Diagnosen ausgewertet werden und ob sie einzelne Arbeitsunfähigkeitsfälle oder die Zahl der Fehltage betrachten.
Die DAK wertete für ihren Psychreport 2026 die Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus. Die Ergebnisse liefern damit wichtige Hinweise auf die Entwicklung der Fehlzeiten, stellen aber keine vollständige Zählung aller Beschäftigten in Deutschland dar.
Für die Einordnung ist außerdem wichtig, zwischen einer Depression als Erkrankung und einem tatsächlichen Krankenstand wegen Depression zu unterscheiden. Nicht alle Menschen mit Depression sind arbeitsunfähig. Umgekehrt kann eine Depression so stark ausgeprägt sein, dass die betroffene Person ihre beruflichen Aufgaben über einen längeren Zeitraum nicht ausüben kann.
Wie lange dauert der Krankenstand bei Depression?
Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen dauern im Durchschnitt häufig länger als Fehlzeiten wegen vieler körperlicher Erkrankungen. Das zeigt sich auch in den Krankenkassenstatistiken.
Bei DAK-versicherten Beschäftigten lag die durchschnittliche Dauer einer Arbeitsunfähigkeit wegen einer psychischen Erkrankung im Jahr 2025 bei rund 34 Tagen pro Fall. Dieser Wert bezieht sich auf psychische Erkrankungen insgesamt und nicht allein auf Depressionen.
Der BKK Gesundheitsreport 2025 zeigt außerdem, dass depressive Erkrankungen zu den Diagnosen mit besonders langen Arbeitsunfähigkeitszeiten gehören. Für depressive Episoden (ICD-10 Diagnose F32) und wiederkehrende depressive Störungen (F33) werden durchschnittliche Falldauern von ungefähr acht beziehungsweise zehn Kalenderwochen beschrieben.
Diese Werte sind Durchschnittswerte aus bestimmten Versichertengruppen. Sie sagen nicht voraus, wie lange eine einzelne Person krankgeschrieben sein wird. Die Dauer hängt unter anderem von der Schwere der Erkrankung, dem bisherigen Verlauf, möglichen Begleiterkrankungen und der beruflichen Situation ab.
Warum können depressive Erkrankungen zu längeren Fehlzeiten führen?
Eine Depression kann verschiedene Fähigkeiten beeinträchtigen, die im Arbeitsalltag wichtig sind. Dazu zählen Konzentration, Entscheidungsfähigkeit, Antrieb, Belastbarkeit und der Umgang mit zwischenmenschlichen Anforderungen. Auch Schlafstörungen und ausgeprägte Erschöpfung können es erschweren, regelmäßig zu arbeiten.
Bei manchen Betroffenen verbessern sich die Beschwerden innerhalb eines überschaubaren Zeitraums. Andere benötigen länger, bis sie wieder ausreichend belastbar sind. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz hängt deshalb nicht allein davon ab, ob sich die Stimmung bereits etwas gebessert hat. Auch die Konzentrationsfähigkeit, die Tagesstruktur und die Fähigkeit, berufliche Anforderungen zu bewältigen, spielen eine Rolle.
In welchen Branchen ist der Krankenstand wegen psychischer Erkrankungen wie einer Depression besonders hoch?
Psychisch bedingte Fehlzeiten verteilen sich nicht gleichmäßig über alle Berufsgruppen. In den Auswertungen der Krankenkassen fallen besonders häufig Tätigkeiten auf, die mit hoher emotionaler Belastung, Verantwortung für andere Menschen oder schwierigen Arbeitsbedingungen verbunden sein können.
Der DAK-Psychreport 2026 weist für das Jahr 2025 folgende Werte für psychisch bedingte Fehlzeiten in Arbeitsunfähigkeitstagen je 100 DAK-versicherte Beschäftigte aus:
- Gesundheitswesen: 474
- Öffentliche Verwaltung: 430
- Bildung, Kultur und Medien: 368
- Durchschnitt über alle untersuchten Branchen: 366
Die Werte beziehen sich auf den Krankenstand durch psychische Erkrankungen insgesamt, nicht ausschließlich wegen Depressionen.
Warum nehmen psychisch bedingte Fehlzeiten zu?
Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK lagen die psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage der AOK-versicherten Beschäftigten 2025 rund 42 Prozent höher als zehn Jahre zuvor.
Diese Entwicklung lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen. Psychische Erkrankungen entstehen meist durch ein Zusammenspiel verschiedener Einflüsse. Berufliche Anforderungen können ebenso eine Rolle spielen wie persönliche Belastungen, körperliche Faktoren oder bereits bestehende gesundheitliche Probleme.
Auch die statistische Erfassung beeinflusst die Entwicklung der Zahlen. Veränderungen bei der ärztlichen Diagnostik, die elektronische Übermittlung von Arbeitsunfähigkeitsdaten und ein offenerer Umgang mit psychischen Erkrankungen können dazu beitragen, dass Fehlzeiten vollständiger oder anders dokumentiert werden als früher.
Ein Anstieg der erfassten Fehlzeiten bedeutet deshalb nicht automatisch, dass psychische Erkrankungen im gleichen Umfang häufiger geworden sind. Er zeigt jedoch, dass psychische Gesundheit bei der Betrachtung von Arbeitsunfähigkeit und betrieblicher Gesundheitsförderung eine wichtige Rolle spielt.
Was kann helfen, den psychisch bedingten Krankenstand wegen Depression zu verringern?
Psychische Erkrankungen lassen sich nicht allein durch individuelles Zeitmanagement oder eine bessere Organisation des Arbeitsalltags verhindern. Ebenso wichtig sind die Bedingungen, unter denen Menschen arbeiten.
Unternehmen können dazu beitragen, Belastungen frühzeitig zu erkennen, indem sie Arbeitsmengen realistisch planen, ausreichend Personal und Erholungszeiten berücksichtigen und eine offene Kommunikation über Überlastung ermöglichen. Führungskräfte fällt diesbezüglich eine besondere Verantwortung zu: Sie können dazu beitragen, dass Beschäftigte Schwierigkeiten ansprechen können, ohne Stigmatisierung oder negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
Auch für Betroffene kann es hilfreich sein, erste Anzeichen einer psychischen Belastung ernst zu nehmen. Anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder ein zunehmender Verlust von Freude und Interesse sollten nicht dauerhaft ignoriert werden. Wenn solche Beschwerden über längere Zeit bestehen oder den Alltag deutlich beeinträchtigen, kann eine ärztliche oder psychotherapeutische Einschätzung sinnvoll sein.
Bei einer Depression kann eine passende Behandlung helfen, die Beschwerden zu lindern und die Funktionsfähigkeit im Alltag zu verbessern. Welche Unterstützung geeignet ist, hängt von der individuellen Situation ab. Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamente gehören zu den etablierten Behandlungsmöglichkeiten.
Wie kann deprexis bei Depression unterstützen?
Depressionen können den Alltag und das Berufsleben stark beeinflussen. Neben einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Behandlung können digitale Angebote eine ergänzende Unterstützung bieten. Ein solches Angebot ist deprexis.
Die digitale Therapie deprexis basiert auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei geht es nicht darum, dich trotz Erschöpfung einfach zu mehr Leistung zu zwingen. Vielmehr kannst du Schritt für Schritt Zusammenhänge zwischen deinen Gedanken, deinem Verhalten und deiner Stimmung kennenlernen und neue Umgangsweisen ausprobieren.
deprexis ist für dich auf Rezept kostenlos verfügbar – die Kosten übernimmt deine Krankenkasse. Das heißt, dein Arzt, deine Ärztin oder Therapeut:in kann dir deprexis verordnen und du erhältst einen Freischaltcode für das Programm. Sobald du den Code hast, löst du ihn ganz bequem auf unserer Website ein und kannst sofort mit deiner digitalen Therapie starten.
Fazit – Depressionen sind ein wichtiger Faktor beim Krankenstand
Die Krankenkassenstatistiken zeigen, dass Depressionen einen erheblichen Anteil der psychisch bedingten Fehlzeiten in Deutschland ausmachen. Im Jahr 2025 entfielen bei DAK-Versicherten rund 202 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherte auf depressive Episoden und wiederkehrende depressive Störungen. Psychische Erkrankungen insgesamt führten im Durchschnitt zu längeren Fehlzeiten als viele andere Erkrankungsgruppen.
Die Zahlen beschreiben Entwicklungen auf statistischer Ebene. Sie sagen nicht voraus, wie lange ein einzelner Mensch mit Depression ausfallen wird und sie erfassen auch nicht alle Betroffenen in Deutschland. Für den Umgang mit einer Depression bleibt entscheidend, die Erkrankung ernst zu nehmen, passende Unterstützung zu finden und die Rückkehr in den Arbeitsalltag an der individuellen Situation auszurichten.