Depressionen beeinflussen das Leben vieler Menschen stark. Die depressiven Episoden, die im Verlauf dieser Störung auftreten können, dauern bei jedem Betroffenen unterschiedlich lang und sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Es gibt jedoch Möglichkeiten sich vor Depressionen zu schützen.
Depression und depressive Episode: Das steckt dahinter
Es ist wichtig zu verstehen, dass eine einzelne depressive Episode selten die letzte bleibt. Man spricht deshalb auch oft von “Depressionen” anstatt einer “Depression”, denn über die gesamte Lebensspanne kommt es häufig zu mehreren depressiven Episoden. Der Verlauf der Erkrankung unterscheidet sich dabei individuell von Person zu Person. Die Symptome und die Dauer einer depressiven Episode können ebenfalls stark variieren. Manche erleben eine leicht depressive Verstimmung über mehrere Jahre, andere leiden an überwältigenden Stimmungstiefs über eher kürzere Zeiträume.
Die Behandlung von Depressionen ist entscheidend für das Wohlbefinden der Betroffenen. Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die je nach individuellem Bedarf angewendet werden können. Eine frühe Diagnose ist wichtig, um den Verlauf der Erkrankung zu beeinflussen und die Symptome zu lindern. Psychotherapie und medikamentöse Behandlungen können dazu beitragen, depressive Episoden zu bewältigen und die Stimmung zu verbessern.
Besonderes Augenmerk sollte darauf gelegt werden, eine langfristige Stabilisierung zu erreichen. Viele Therapien zielen auf eine schnelle Symptomreduktion ab, die selbstverständlich auch wichtig ist, verfehlen jedoch eine dauerhafte Bewältigung depressiver Verstimmungen.
Wie kannst du dich dauerhaft vor Depressionen schützen?
Leider gibt es keine Garantie dafür, nach einer überstanden depressiven Episode nie wieder in ein Stimmungstief zu fallen. Du kannst das Risiko für eine weitere depressive Episode jedoch erheblich reduzieren, indem du Veränderungen, die du zum Beispiel in einer Psychotherapie erlernt hast, nicht nur vorübergehend umsetzt, sondern auch nach einer Verbesserung deiner Stimmung aufrechterhältst. Natürlich kostet das viel Zeit und Energie. Es wird auch Situationen geben, die so fordernd sind, dass sie dich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen überwältigen können und vorhandene Ressourcen nicht mehr ausreichen.
Du wirst dennoch davon profitieren, dir bewusst zu machen, was du mit therapeutischer Unterstützung bereits gelernt haben. Nutze dieses Vorwissen, reaktiviere deine Notfallstrategien und unterbrich die Depressionsspirale so früh wie möglich. Wenn du es allein nicht schaffst, suche dir rechtzeitig wieder Hilfe. So wird aus einer leichten vielleicht keine schwere Depression und damit ist schon viel gewonnen. Je später eine therapeutische Maßnahme begonnen wird, desto schwerer wird die Symptomatik vermutlich ausgeprägt sein und desto länger wirst du brauchen, um diese Episode zu überwinden.
Es lohnt sich also, so früh wie möglich die Reißleine zu ziehen! Achte darauf, nicht nur auf kurzfristige Entlastung zu setzen, indem du dich krankschreiben lässt oder Medikamente nimmst, sondern nutze auch psychotherapeutische Unterstützung.
Was tun, wenn kein Therapieplatz verfügbar ist?
In der Leitlinie für die Behandlung von Depressionen wird bei leichten Symptomen empfohlen, auf Online-Therapieprogramme zurückzugreifen. Studien zeigen, dass diese ausreichen, um Phasen mit leicht depressiver Symptomatik zu überwinden.
Digitale Therapien vermitteln Informationen zur Erkrankung einer Depression, mögliche Entstehungs- und auslösende Bedingungen und geben wertvolle Tipps und Hinweise, wie die depressive Phase überwunden werden kann. Viele Online-Programme, die inzwischen auch auf Kassenrezept verfügbar sind, wurden von Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen entwickelt und wissenschaftlich überprüft.
Apps und digitale Therapien können auch eine Hilfe dabei sein, sich an bereits Gelerntes zu erinnern, wirksame Übungen zu wiederholen oder neuen Input kennenzulernen, der in einer klassischen Psychotherapie möglicherweise noch nicht zur Sprache kam. deprexis, eine bewährte und seit langem eingesetzte digitale Therapie bei Depressionen, integriert zum Beispiel Ansätze aus der Positiven Psychologie und Verhaltensaktivierung.
Des Weiteren findest du Unterstützung in Selbsthilfegruppen, moderierten Foren oder, falls du im Anschluss an einen Klinikaufenthalt ambulante Therapie suchst, an psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA), die zumindest überbrückend und in größeren Abständen Termine anbieten.
Für die Suche nach einem ambulanten Therapieplatz brauchst du in jedem Fall einen langen Atem. Buche dir so schnell wie möglich einen Sprechstundentermin über die 116 117 oder online bei deiner Terminservicestelle und melde dich bei so vielen Therapeut:innen wie möglich. Listen über zugelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bekommst du über die Kassenärztliche Vereinigung deines Bundeslandes. Bei genügend Absagen besteht, je nach Krankenkasse, auch die Möglichkeit, eine Psychotherapie in einer Privatpraxis erstattet zu bekommen.
Bei einer schwer ausgeprägten Depression empfehlen die Leitlinien eine Kombination aus psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung. Das bedeutet, du solltest dich in jedem Fall einem Arzt oder einer Ärztin anvertrauen und über die Möglichkeit der Einnahme eines Antidepressivums sprechen. Inzwischen gibt es viele verschiedene Präparate und manchmal dauert es, bis das richtige gefunden ist, mit dessen Nebenwirkungen man zurechtkommt. Medikamente können jedoch im Akutfall eine wichtige ergänzende Maßnahme sein. Oft können sie nach einer erfolgreichen Psychotherapie wieder ausgeschlichen werden.
Im Krisenfall, das heißt, wenn du unter akuten Suizidgedanken und dem Drang, dir das Leben zu nehmen, leidest, wende dich bitte sofort an die nächstgelegene Klinik! Ein stationärer Kurzaufenthalt kann stabilisieren und ist oft der erste Schritt für weitere Hilfe.
Wenn es wieder schlechter wird...
Wenn du (wieder) Symptome einer Depression bei dir bemerken, zögere nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Du bist nicht allein und es gibt Menschen und Ressourcen, die dir helfen können, durch diese schwierigen Phasen zu kommen. Es ist wichtig, sich rechtzeitig um die eigene mentale Gesundheit zu kümmern und die Unterstützung zu suchen, die du benötigst.
Fazit – Depressive Episoden
Depressionen sind eine ernsthafte Erkrankung, die sich nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf den Körper auswirkt. Das Erkennen und Verstehen der körperlichen Symptome ist ein wichtiger Schritt zur umfassenden Behandlung und zum Wohlbefinden. Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, an Depressionen leidet, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ihr Körper und Geist werden es Ihnen danken.