Schlaflos durch die Nacht: Wenn Schlafprobleme die Stimmung belasten

Zusammenfassung

Du liegst im Bett, bist eigentlich müde, aber dein Kopf kommt einfach nicht zur Ruhe. Gedanken kreisen, du wachst immer wieder auf oder bist morgens viel früher wach als geplant. Am nächsten Tag fühlst du dich erschöpft, unkonzentriert und vielleicht auch gereizt.

Wenn du dich immer wieder schlaflos, depressiv und schlapp fühlst, kann das viele Ursachen haben. Stress, Sorgen, körperliche Beschwerden oder ungünstige Schlafgewohnheiten können den Schlaf beeinträchtigen. Besonders belastend kann es werden, wenn sich Schlafprobleme und depressive Beschwerden gegenseitig verstärken.

In diesem Artikel erfährst du, welche Ursachen Schlaflosigkeit haben kann, was gegen Schlaflosigkeit hilft und wann eine Depression als möglicher Zusammenhang betrachtet werden sollte.

Schlaflos: Das Wichtigste kurz gefasst

  • Hinter Schlaflosigkeit können ganz unterschiedliche Ursachen stecken – von Stress und Sorgen bis hin zu körperlichen oder psychischen Beschwerden.
  • Stress, Sorgen, andere psychische Belastungen, ungünstige Schlafgewohnheiten, körperliche Beschwerden, Krankheiten oder bestimmte Medikamente können den Schlaf beeinträchtigen.
  • Regelmäßige Schlafenszeiten, Bewegung am Tag, eine angenehme Schlafumgebung und Schlafhygiene, sowie ein entspannter Umgang mit nächtlichem Wachsein können den Schlaf unterstützen.
  • Wenn du dich schlapp, depressiv und schlaflos fühlst, lohnt es sich, nicht nur deinen Schlaf, sondern auch deine Stimmung, deinen Antrieb und dein allgemeines Befinden zu betrachten.
  • Einzelne schlechte Nächte sind normal. Hält die Schlafproblematik über längere Zeit an und beeinträchtigt deinen Alltag, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Bei einer Depression kann eine gezielte Behandlung dabei helfen, depressive Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster zu verändern.

Was bedeutet es, schlaflos zu sein?

Schlaflosigkeit kann ganz unterschiedlich aussehen. Vielleicht liegst du abends lange wach, obwohl du müde bist. Vielleicht schläfst du zunächst gut ein, wachst aber mitten in der Nacht auf und findest nicht zurück in den Schlaf. Oder du wirst morgens deutlich früher wach als geplant.

Auch die Auswirkungen am Tag können unterschiedlich sein. Manche Menschen fühlen sich vor allem erschöpft und unkonzentriert. Andere sind gereizter, weniger belastbar oder haben das Gefühl, ständig gegen die Müdigkeit anzukämpfen.

Nicht jede schlaflose Nacht ist gleich ein Zeichen für eine Schlafstörung oder eine Depression. Schlaf ist kein starrer Zustand. Er verändert sich im Laufe des Lebens und reagiert sensibel auf das, was uns tagsüber und nachts bewegt – auf äußere Umstände ebenso wie auf innere Gedanken und Gefühle.

Wenn du allerdings über längere Zeit schlaflos bist und die fehlende Erholung deinen Alltag beeinträchtigt, solltest du die Situation ernst nehmen.

Ursachen von Schlaflosigkeit: Warum findest du nicht zur Ruhe?

Die Gründe dafür, dass du schlaflos wirst, können vielfältig sein. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen.

1. Stress und kreisende Gedanken

Ein stressiger Arbeitstag, familiäre Sorgen, Schicksaalschläge, wichtige Termine oder andere psychische Belastungen können den Kopf auch abends noch beschäftigen. Du bist körperlich vielleicht müde, innerlich aber weiterhin aufmerksam. Wissenschaftlich lässt sich das unter anderem durch die Stressreaktion des Körpers erklären: Stress kann die Aktivität des sympathischen Nervensystems erhöhen und dadurch körperliche und geistige Anspannung fördern, die das Einschlafen erschweren kann.

Daraus kann ein Kreislauf entstehen: Du schläfst schlecht, bist am nächsten Tag erschöpft und machst dir am Abend bereits Gedanken darüber, ob du wieder schlaflos sein wirst. Dieser Druck kann das Einschlafen zusätzlich erschweren.

2. Schlafumgebung und Gewohnheiten

Auch die Bedingungen rund um dein Bett haben Einfluss darauf. Lärm, Licht, eine unangenehme Raumtemperatur oder ein unbequemes Bett können die Nachtruhe beeinträchtigen.

Ebenso können bestimmte Gewohnheiten den Schlaf erschweren:

  • viel Koffein am späten Nachmittag oder Abend
  • Alkohol vor dem Schlafengehen
  • unregelmäßige Schlafenszeiten
  • lange Nickerchen am Tag
  • intensive sportliche Aktivität unmittelbar vor dem Zubettgehen
  • lange Bildschirmzeiten kurz vor dem Schlafen

3. Körperliche Beschwerden und Medikamente

Auch körperliche Beschwerden können dazu führen, dass du schlaflos wirst. Dazu gehören beispielsweise Schmerzen, Sodbrennen oder nächtliche Atemprobleme. Bei einer Schlafapnoe können Atemaussetzer den Schlaf wiederholt unterbrechen, ohne dass du davon bewusst etwas bemerkst.

Auch das Restless-Legs-Syndrom (RLS) kann den Schlaf beeinträchtigen. Dabei treten vor allem in Ruhe unangenehme Empfindungen und ein starker Bewegungsdrang in den Beinen auf, die das Einschlafen oder Durchschlafen erschweren können. Weitere Erkrankungen, die mit Schlafproblemen einhergehen können, sind beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, Asthma, chronische Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurologische Erkrankungen.

Bestimmte Medikamente können ebenfalls den Schlaf beeinflussen. Dazu gehören beispielsweise einige Antidepressiva, Kortisonpräparate, Medikamente gegen Asthma, bestimmte Blutdruckmedikamente oder stimulierende Medikamente zur Behandlung von ADHS. Auch manche frei verkäuflichen Arzneimittel können den Schlaf beeinflussen. Wenn du einen solchen Zusammenhang vermutest, solltest du Medikamente nicht selbstständig absetzen oder die Dosierung verändern. Sprich stattdessen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

So hängen Schlaflosigkeit und Depressionen zusammen

Wenn du dich schlapp, depressiv und schlaflos fühlst, kann es schwierig sein, zu erkennen, was eigentlich zuerst da war.

Vielleicht haben die Schlafprobleme mit einer belastenden Lebensphase begonnen. Nach mehreren schlechten Nächten fühlst du dich zunehmend erschöpft und hast weniger Energie für deinen Alltag. Es kann aber auch umgekehrt sein: Eine depressive Stimmung, Grübeln oder fehlender Antrieb verändern deinen Schlaf. Du liegst abends wach, denkst über deine Situation nach und findest schwer zur Ruhe. Dadurch kann ein Kreislauf entstehen:

Schlechter Schlaf kann dazu führen, dass du dich tagsüber erschöpft und weniger energiegeladen fühlst. Dadurch fällt es dir möglicherweise schwerer, aktiv zu sein und Dinge zu unternehmen, die dir sonst guttun. Weniger Bewegung, soziale Kontakte und positive Erlebnisse können wiederum depressive Gedanken oder eine gedrückte Stimmung begünstigen. Diese Stimmung kann das Grübeln verstärken und es schwieriger machen, abends zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen. So können sich Schlafprobleme und depressive Gedanken gegenseitig verstärken und einen belastenden Kreislauf bilden.

Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Depression die einzige Ursache deiner Beschwerden ist. Es kann aber ein Anlass sein, genauer auf weitere depressive Symptome zu achten. Deshalb kann es bei anhaltenden Schlafproblemen sinnvoll sein, nicht nur die Schlafdauer zu betrachten, sondern auch die Frage: Wie geht es mir eigentlich insgesamt?

So kann Schlaflosigkeit dabei mit weiteren depressiven Beschwerden verbunden sein:

  • gedrückte oder niedergeschlagene Stimmung
  • Verlust von Interesse und Freude
  • fehlender Antrieb
  • Konzentrations- und Entscheidungsprobleme
  • Schlafstörungen
  • vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle
  • sozialer Rückzug
  • pessimistische Gedanken über die Zukunft

Was du bei Schlaflosigkeit tun kannst

Kleine, regelmäßige Schritte können ein guter Anfang sein, um etwas gegen Schlaflosigkeit zu tun. Du musst dafür nicht sofort deine gesamte Abendroutine verändern.

1. Halte deinen Schlaf-Wach-Rhythmus möglichst konstant

Versuche, ungefähr zur gleichen Zeit aufzustehen und ins Bett zu gehen. Besonders die morgendliche Aufstehzeit kann dabei Orientierung geben.

Auch am Wochenende solltest du deinen Rhythmus nicht regelmäßig stark verschieben.

2. Gehe erst ins Bett, wenn du müde bist

Das Bett sollte möglichst mit Schlaf verbunden bleiben. Wenn du abends noch hellwach bist, kann es sinnvoll sein, noch etwas Ruhiges zu tun, statt dich bereits unter Druck ins Bett zu legen.

3. Bleibe nachts nicht stundenlang wach

Wenn du merkst, dass du längere Zeit wach liegst und zunehmend angespannt wirst, steh für eine Weile auf. Geh in einen anderen Raum oder beschäftige dich mit etwas Ruhigem.

Du musst dabei nicht auf die Uhr schauen. Gerade das wiederholte Kontrollieren der Uhr kann zusätzlichen Druck erzeugen.

Kehre erst ins Bett zurück, wenn du wieder müde wirst.

4. Schaffe eine ruhige Schlafumgebung

Dein Schlafzimmer sollte möglichst dunkel, ruhig und angenehm temperiert sein. Als Orientierung werden häufig etwa 18 Grad Celsius empfohlen. Entscheidend ist jedoch, dass du dich mit der Temperatur wohlfühlst.

Auch folgende Fragen können helfen:

  • Ist das Zimmer ausreichend dunkel?
  • Gibt es störende Geräusche?
  • Ist Matratze oder Kissen unbequem?
  • Liegt dein Smartphone direkt neben dem Kopfkissen?
  • Verbindest du dein Bett vor allem mit Schlaf oder häufig mit Arbeit, Fernsehen und Grübeln?

5. Bewegung und Tageslicht nutzen

Regelmäßige Bewegung kann den Schlaf unterstützen. Besonders Tageslicht am Morgen und während des Tages hilft dabei, den Schlaf-Wach-Rhythmus zu stabilisieren.

Intensive sportliche Einheiten solltest du nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen einplanen, wenn du bemerkst, dass sie dich eher aktivieren.

6. Koffein und Alkohol bewusst betrachten

Kaffee, Energydrinks, Cola und andere koffeinhaltige Getränke können den Schlaf noch Stunden später beeinflussen. Wenn du schlaflos bist, kann es sich lohnen, deinen Koffeinkonsum am Nachmittag und Abend zu reduzieren.

Alkohol kann zwar zunächst müde machen. Im weiteren Verlauf der Nacht kann er den Schlaf jedoch unruhiger machen und häufigeres Erwachen begünstigen.

7. Entwickle eine entspannte Abendroutine

Ein regelmäßiger Ablauf vor dem Schlafengehen kann deinem Körper signalisieren, dass die Ruhephase beginnt. Dimme abends das Licht und nimm dir Zeit für ruhige Aktivitäten, zum Beispiel Lesen, Musik hören oder eine warme Dusche. Auch Entspannungsübungen oder Atemübungen können dabei helfen, zur Ruhe zu kommen.

8. Nutze das Bett möglichst nur zum Schlafen

Versuche, Aktivitäten wie Arbeiten, Lernen, Fernsehen oder längeres Scrollen am Smartphone nicht im Bett zu erledigen. So bleibt das Bett möglichst eng mit Schlaf und Erholung verbunden. Wenn du im Bett regelmäßig lange wach liegst und dich dabei ärgerst oder grübelst, kann sich diese Verbindung ungünstig verändern.

9. Reduziere die Bildschirmzeit am Abend

Versuche, Smartphone, Tablet, Computer und Fernseher in der letzten Stunde vor dem Schlafengehen möglichst weniger zu nutzen. Das Licht von Bildschirmen und vor allem die Inhalte selbst können dich geistig aktiv halten und das Abschalten erschweren. Wenn du nicht vollständig darauf verzichten möchtest, kann es helfen, die Helligkeit zu reduzieren und auf ruhige Inhalte zurückzugreifen.

Was hilft bei Schlaflosigkeit durch eine Depression?

Wenn sich herausstellt, dass die Erschöpfung mit einer Depression zusammenhängt, sollte nicht ausschließlich versucht werden, die Schlaflosigkeit selbst zu bekämpfen. Dann kann es sinnvoll sein, auch die Faktoren zu behandeln, die die Depression aufrechterhalten. Dazu können beispielsweise nicht hilfreiche Denkmuster, Rückzug, fehlende Aktivität oder ein Verlust von Tagesstruktur gehören.

Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem vom Schweregrad der Depression und der individuellen Situation ab. Bei einer ersten leichten depressiven Episode könnte zunächst auch eine eher niedrigschwellige Interventionen wie beratende Gespräche oder Online-Therapieprogramme eingesetzt werden. Bei stärker ausgeprägten Depressionen kommen – abhängig vom Einzelfall – Psychotherapie und/oder Medikamente infrage.

Digitale Unterstützung mit deprexis

Wenn deine Schlafprobleme Teil einer Depression sind, kann deprexis dich dabei unterstützen, dich mit depressiven Gedanken, Gefühlen und Verhaltensmustern auseinanderzusetzen.

Das digitale Programm basiert auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie. Dabei geht es nicht darum, dich trotz Erschöpfung einfach zu mehr Leistung zu zwingen. Vielmehr kannst du Schritt für Schritt Zusammenhänge zwischen deinen Gedanken, deinem Verhalten und deiner Stimmung kennenlernen und neue Umgangsweisen ausprobieren.

deprexis ist für dich auf Rezept kostenlos verfügbar – die Kosten übernimmt deine Krankenkasse. Das heißt, dein Arzt, deine Ärztin oder Therapeut:in kann dir deprexis verordnen und du erhältst einen Freischaltcode für das Programm. Sobald du den Code hast, löst du ihn ganz bequem auf unserer Website ein und kannst sofort mit deiner digitalen Therapie starten.

Fazit – Schlaflos und schlapp: Schau auch auf deine Stimmung

Schlaflos zu sein kann viele Ursachen haben. Stress, Sorgen, körperliche Beschwerden und bestimmte Schlafgewohnheiten können dazu führen, dass du nachts nicht zur Ruhe kommst. Auch eine Depression kann mit Schlafproblemen verbunden sein. Wenn du dich deshalb über längere Zeit schlapp, depressiv und schlaflos fühlst, lohnt es sich, nicht nur auf deine Schlafdauer, sondern auch auf deine Stimmung, deinen Antrieb und dein allgemeines Befinden zu achten.

Bei anhaltender Schlaflosigkeit kann eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung helfen, mögliche Ursachen einzuordnen. Wenn eine Depression eine Rolle spielt, kann es sinnvoll sein, auch die depressiven Beschwerden gezielt zu behandeln.