Eine Depression durch die Einnahme von Cortison ist möglich, weil die Wirkstoffe den Schlaf, den Antrieb und die Gefühlslage beeinflussen können. Dieser Artikel erklärt den Zusammenhang, den Stand der Forschung und bekannte Risiken. Erfahre, wie du Symptome früh erkennst und was du dann tun kannst.
Cortison & Depression: Das Wichtigste kurz gefasst
- Cortison-Präparate sind Medikamente, die Entzündungen bremsen. Sie wirken wie der körpereigene Stoff Cortisol, der hilft, die Energie und den Tagesrhythmus zu steuern.
- Eine Depression durch die Einnahme von Cortison ist möglich, besonders bei hohen Dosen als Tabletten oder Infusionen, weil diese Formen den ganzen Körper erreichen.
- Erste Anzeichen beginnen häufig in den ersten Tagen bis Wochen nach Therapiebeginn und lassen nach einer behutsamen Senkung der Dosis oft wieder nach.
- Je höher die Dosis und je länger die Einnahme dauert, desto größer ist das Risiko für Cortison, Nebenwirkungen im Gehirn wie Antriebsmangel oder Reizbarkeit zu erzeugen.
- Cortison in Form von Sprays, Cremes oder Tropfen belastet den Körper und die Stimmung insgesamt weniger.
- Maßnahmen: Eine Einnahme am Morgen, viel natürliches Licht und regelmäßige Bewegung am Tag und eine gute Schlafhygiene mit Entspannung am Abend und festen Schlafenszeiten können die Stimmung spürbar verbessern.
- Vorgehen: Bei gedrückter Stimmung, Freudlosigkeit und Antriebsmangel sprechen Betroffene sofort mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Die Einnahme von Cortison, die Dosis und das Absetzen müssen immer abgestimmt werden – niemals eigenmächtig handeln!
- Warnzeichen: Starke Unruhe, Gefühle von Verzweiflung sowie Suizidgedanken sind Notfälle, bei denen du bitte die 112 anrufen oder die Notaufnahme aufsuchen solltest.
- Digitale Hilfe: Die Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) deprexis bietet ein wirkungsvolles Coaching im Alltag, wird von der Arztpraxis verschrieben und von der Krankenkasse finanziert.
Was sind Cortison und Cortisol?
Diese beiden Begriffe werden häufig durcheinandergebracht.
Cortisol ist ein körpereigenes Hormon aus der Nebenniere, das Entzündungen hemmt, Energie bereitstellt und den Tagesrhythmus steuert. Es sorgt dafür, dass wir morgens aktiv werden. Akuter Stress lässt den Cortisol-Spiegel des Körpers vorübergehend ansteigen.
Cortison ist in der Medizin ein Sammelbegriff für alle Medikamente, die ähnlich wie Cortisol wirken und Entzündungen gezielt bremsen. Es wird bei vielen entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen eingesetzt—zum Beispiel bei Asthma, Rheuma, Neurodermitis oder bestimmten Augenentzündungen. Wirkstoffe wie zum Beispiel Prednison oder Prednisolon haben einen großen entzündungshemmenden Nutzen. Sie müssen aber vorsichtig dosiert werden, damit das Cortison wenig Nebenwirkungen auf die Psyche ausübt.
Cortison & Depression: Was die Forschung zeigt
Viele Menschen erhalten Cortison, weil es Entzündungen zuverlässig kontrolliert. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Tabletten und Infusionen die Stimmung, den Schlaf und das Denken beeinflussen können. Häufig beschreiben Betroffene Schlafstörungen, innere Unruhe und vermehrtes Grübeln sowie Traurigkeit und Angst.
Die Häufigkeit dieser Effekte hängt vor allem von der Dosis und der Dauer der Behandlung ab, und die ersten Anzeichen beginnen oft in den ersten Tagen bis Wochen der Einnahme bzw. Behandlung. In vielen Fällen klingen die Beschwerden nach einer Senkung der Dosis wieder ab, spätestens nach dem Ende der Behandlung.
Bei lokalen Cortison-Formen wie Inhalationssprays, Cremes, Nasensprays oder Augentropfen gelangt deutlich weniger Wirkstoff in den Blutkreislauf. Deshalb ist das Risiko für eine ausgeprägte Cortison-Depression im Vergleich zu Tabletten in der Regel geringer, auch wenn Unruhe oder Schlafprobleme trotzdem auftreten können.
Risiko einschätzen: Wer ist besonders betroffen?
Nicht jeder Mensch, der Cortison einnimmt, ist in gleichem Maße betroffen. Es gibt zahlreiche Faktoren, die einen Einfluss darauf haben können, wie stark Cortison die Stimmung trübt oder auf eine Depression hinwirkt.
- Frühere psychische Erkrankungen: Wer bereits eine Depression oder eine Angststörung hatte, reagiert häufiger empfindlich auf Cortison, weil das Gleichgewicht der Botenstoffe schneller aus dem Takt gerät.
- Hohe Dosis oder lange Dauer: Je höher die Dosis und je länger die Einnahme dauert, desto höher ist das Risiko für Cortison-Nebenwirkungen im Gehirn wie Konzentrationsprobleme, Gereiztheit und Stimmungstiefs.
- Art der Verabreichung: Tabletten und Infusionen wirken im ganzen Körper und erhöhen im Vergleich zu Sprays, Cremes oder Tropfen die Wahrscheinlichkeit psychischer Nebenwirkungen.
- Schlafmangel: Schlechter oder zu kurzer Schlaf macht anfälliger für Stimmungsschwankungen. Cortison kann den Schlaf dann zusätzlich stören.
- Weitere Medikamente: Einige Arzneimittel beschleunigen oder bremsen den Abbau von Cortison, und andere wirken selbst auf die Stimmung. Deshalb sollten alle, auch frei verkäufliche Präparate, die in Kombination mit Cortison eingenommen werden, von der Ärztin oder dem Arzt geprüft werden. Mittel gegen Epilepsie, Tuberkulose und Johanniskraut als pflanzliches Mittel gegen Stimmungstiefs beschleunigen den Abbau von Cortison und verringern das Risiko einer depressiven Nebenwirkung. Mittel gegen Pilzinfektionen oder Grapefruitprodukte bremsen ihn und erhöhen das Risiko.
- Alter und Geschlecht: Ältere Menschen und Frauen berichten etwas häufiger über Stimmungsschwankungen. Viele Menschen geben “Cortisol zu hoch: Symptome Frau” in die Suchmaschine ein: Ja, bei Frauen können die Symptome eines zu hohen Cortisolspiegels zu Schlafstörungen, einer erhöhten Reizbarkeit oder zu Zyklusveränderungen führen.
- Körperliche Belastung: Eine starke Entzündung – also eine deutlich ausgeprägte Abwehrreaktion mit Schwellung, Rötung, starkem Schmerz oder Fieber, zum Beispiel bei einem akuten Rheumaschub, einer schweren Bronchitis oder Lungenentzündung – sowie Schmerzen oder anhaltender Stress erhöhen zusätzlich die Anfälligkeit für depressive Verstimmungen bei gleichzeitiger Einnahme von Cortison.
Richtig handeln bei Symptomen einer Depression unter Cortison
Der wichtigste Schritt ist immer das Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Es gibt zum einen Schritte, die Betroffene bis dahin und auch danach sofort in ihrem Alltag umsetzen können. Und Schritte, die von der Ärztin oder dem Arzt angeordnet werden müssen.
Sofort umsetzbare Schritte im Alltag:
- Einnahme am Morgen: Sofern das nicht gegen die Empfehlung deiner Ärztin oder deines Arztes spricht, könntest du die Tablette morgens einnehmen, weil das dem natürlichen Tagesrhythmus ähnelt und dir am Abend beim Einschlafen hilft.
- Schlaf: Halte feste Bettgehzeiten ein, dunkle den Schlafraum ab und verzichte abends auf Bildschirme.
- Tageslicht und Bewegung: Gehe jeden Tag 20 bis 30 Minuten an die frische Luft und bewege dich. Das stabilisiert die Stimmung.
- Koffein und Alkohol: Reduziere Kaffee, Energydrinks und Alkohol, weil sie Unruhe verstärken und den Schlaf verschlechtern können.
Mögliche Maßnahmen der Ärztin oder des Arztes
- Dosis behutsam senken: Die Dosis könnte in kleinen Schritten gesenkt werden. Du solltest Cortison aber niemals eigenmächtig und abrupt absetzen, weil sonst Komplikationen drohen können.
- Einnahmezeit prüfen: Der Zeitpunkt der Einnahme könnte überprüft und bei Bedarf auf den frühen Morgen vorverlegt werden.
- Präparate vergleichen: Ein Wechsel auf ein anderes Präparat kann sinnvoll sein, wenn es besser vertragen wird.
- Verabreichungsform: Wenn es fachlich möglich ist, könnte von den Tabletten auf ein Spray oder eine Creme umgestellt werden, um die Belastung für den Körper zu senken.
- Begleittherapien einsetzen: Eine Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) mit gezielten Dialogen und Übungen kann als klassische Gesprächstherapie vor Ort oder in Form einer Digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA) mit deprexis in Erwägung gezogen werden.
Digitale Unterstützung: deprexis bei depressiver Stimmung
Digitale Hilfe kann den Alltag leichter machen. deprexis ist eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), die Übungen aus der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) anbietet. deprexis hilft, Grübeln zu unterbrechen, den Tag zu strukturieren und den Schlaf zu stabilisieren. Eine Ärztin oder ein Arzt kann deprexis verordnen, die Krankenkassen übernehmen die Kosten.