Meditation bei Depression: Welche Entspannungsübungen können helfen?

Zusammenfassung

Wenn die Gedanken ständig kreisen, der Körper angespannt ist und selbst kleine Aufgaben viel Energie kosten, fällt Abschalten nicht leicht. Gerade bei depressiven Beschwerden kann es schwer sein, bewusst zur Ruhe zu kommen und den Kopf für einen Moment freizubekommen.

Meditation und Entspannung können dabei helfen, kleine Ruheinseln im Alltag zu schaffen. Meditation ist eine einfache Entspannungstechnik, bei der du deine Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment richtest. Das kann dabei helfen, Abstand von stressigen Gedanken zu gewinnen und Anspannung bewusster wahrzunehmen.

In diesem Artikel erfährst du, wie Meditation und Entspannung zusammenhängen, welche Übungen sich für den Alltag eignen und wie du sie als kleine Auszeit nutzen kannst.

Meditation und Entspannung – das Wichtigste kurz gefasst

  • Meditation und Entspannung können dabei helfen, im Alltag bewusst zur Ruhe zu kommen und Anspannung wahrzunehmen.
  • Meditation lenkt die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment und kann dabei helfen, gedanklich Abstand von Stress und Belastungen zu gewinnen.
  • Für den Einstieg reichen wenige Minuten. Du musst nicht lange meditieren, damit eine kurze Auszeit entstehen kann.
  • Meditationsübungen können mit dem Atem, der Körperwahrnehmung oder Bewegung arbeiten. Welche Methode dir guttut, hängt von deinen persönlichen Bedürfnissen und deiner aktuellen Situation ab.
  • Bei stärkeren oder anhaltenden depressiven Beschwerden sollte Meditation eine Ergänzung zu professioneller Unterstützung sein.

Warum Entspannung für Körper und Psyche so wichtig ist

Entspannung bedeutet nicht einfach, nichts zu tun. Dein Körper braucht regelmässig Phasen, in denen Anspannung nachlassen und Erholung stattfinden kann. Bei Stress bleibt der Körper zunächst in erhöhter Bereitschaft. Die Muskeln können sich anspannen, der Atem verändert sich und die Aufmerksamkeit richtet sich stärker auf mögliche Belastungen.

Eine Entspannungstechnik soll diesen Zustand bewusst unterbrechen. Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Meditation geben dir die Möglichkeit, für einige Minuten aus dem alltäglichen Stress herauszutreten und deine Aufmerksamkeit auf etwas Ruhigeres zu richten. Dass Entspannung dabei nicht nur subjektiv wahrgenommen wird, zeigen auch wissenschaftliche Untersuchungen: Eine Meta-Analyse zu Meditation fand Hinweise auf Veränderungen verschiedener körperlicher Stressmarker, darunter Cortisol, Herzfrequenz und Blutdruck. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Meditation die körperliche Stressreaktion positiv beeinflussen kann. Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt unter anderem von der untersuchten Methode und der Dauer der Praxis ab. Allerdings ist die Studienlage nicht für alle Stressmarker gleich eindeutig, weshalb weitere Forschung notwendig ist, um die langfristigen Auswirkungen besser beurteilen zu können.

Entspannung muss nicht lange dauern. Schon wenige Minuten können eine kleine Pause schaffen. Gerade wenn du dich niedergeschlagen oder erschöpft fühlst, kann es schwer sein, dir solche Pausen zu erlauben. Vielleicht entsteht der Eindruck, dass du die Zeit lieber für andere Aufgaben nutzen solltest. Eine bewusste Pause ist jedoch kein Zeichen von Schwäche. Erholung gehört zum Umgang mit Belastungen dazu.

Meditation als Entspannungstechnik

Meditation kann eine einfache Möglichkeit sein, bewusst zur Ruhe zu kommen. Dabei geht es nicht darum, den Kopf komplett leer zu bekommen. Gedanken werden weiterhin auftauchen. Stattdessen richtest du deine Aufmerksamkeit bewusst auf einen bestimmten Moment, zum Beispiel auf deinen Atem, eine Körperempfindung, ein Geräusch oder eine Bewegung.

Genau diese bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit spielt in der Forschung eine wichtige Rolle. Achtsamkeitsmeditation wird unter anderem mit einer besseren Aufmerksamkeitsregulation und einem besseren Umgang mit inneren Erlebnissen in Verbindung gebracht. Wenn deine Gedanken abschweifen, bemerkst du das und kehrst mit deiner Aufmerksamkeit wieder zum gewählten Fokus zurück. Dadurch übst du, Gedanken wahrzunehmen, ohne ihnen automatisch weiter zu folgen.

Das kann besonders beim Grübeln relevant sein. In Studien gab es Hinweise darauf, dass achtsamkeitsbasierte Verfahren Grübeln reduzieren können. Gleichzeitig wurden Verbesserungen bei depressiven Beschwerden und Ängsten beobachtet. Die Ergebnisse sollten jedoch mit Blick auf die unterschiedliche Qualität und Ausgestaltung der Studien eingeordnet werden.

Wie kann Meditation beim Entspannen helfen?

Meditation kann auf verschiedene Weise zu mehr Ruhe beitragen:

1. Gedanken für einen Moment Abstand geben

Wenn sich Gedanken ständig wiederholen, kann es schwer sein, sie zu stoppen. Bei einer Meditation richtest du deine Aufmerksamkeit bewusst auf den Atem, den Körper oder eine Bewegung. Gedanken dürfen dabei auftauchen. Du musst ihnen nicht weiter folgen.

2. Körperliche Anspannung wahrnehmen

Stress zeigt sich nicht nur im Kopf. Vielleicht bemerkst du verspannte Schultern, einen angespannten Kiefer oder einen unruhigen Atem. Durch die bewusste Körperwahrnehmung kannst du solche Signale früher erkennen und dir eine Pause nehmen.

3. Bewusst im Moment ankommen

Im Alltag bist du gedanklich vielleicht schon bei der nächsten Aufgabe oder beschäftigst dich mit etwas, das bereits passiert ist. Meditation richtet die Aufmerksamkeit zurück auf das, was gerade passiert. Diese bewusste Unterbrechung holt dich in das Hier und Jetzt.

Welche Meditationsübungen eignen sich zur Entspannung?

Nicht jede Meditation fühlt sich für jede Person gleich angenehm an. Du kannst verschiedene Meditationsübungen ausprobieren und herausfinden, welche Form dir beim Abschalten hilft.

1. Atemmeditation

Eine Möglichkeit ist die Atemmeditation. Dabei richtest du deine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf deinen Atem. Du musst ihn nicht verändern oder besonders tief atmen. Spüre einfach, wie sich dein Bauch oder Brustkorb beim Ein- und Ausatmen bewegt. Wenn Gedanken auftauchen, nimm sie wahr und lenke deine Aufmerksamkeit anschliessend wieder sanft zum Atem zurück. Gerade dadurch kann eine kurze Unterbrechung vom Gedankenfluss entstehen.

Für den Einstieg reichen bereits zwei bis fünf Minuten.

2. Bodyscan

Beim Bodyscan richtest du deine Aufmerksamkeit nacheinander auf verschiedene Körperbereiche. Du kannst beispielsweise bei den Füssen beginnen und dich langsam nach oben bewegen. Nimm wahr, was du gerade spürst: Wärme, Kälte, Druck, Anspannung oder vielleicht gar keine besondere Empfindung. Es geht nicht darum, etwas verändern zu müssen. Du beobachtest lediglich, was gerade da ist.

3. Gehmeditation

Meditation muss nicht nur im Sitzen stattfinden. Bei einer Gehmeditation richtest du deine Aufmerksamkeit auf deine Schritte und die Bewegung deines Körpers. Spüre, wie deine Füsse den Boden berühren und wie sich dein Gewicht verlagert. Gerade an Tagen, an denen langes Sitzen schwerfällt, kann die Gehmeditation eine gute Möglichkeit sein, Meditation mit Bewegung zu verbinden. Gleichzeitig entsteht dabei eine gezielte Pause vom Alltag.

Wie viel Meditation ist für die Entspannung sinnvoll?

Für eine kurze Entspannungspause brauchst du keine lange Meditationseinheit. Schon fünf Minuten können eine Unterbrechung im Alltag schaffen. Du kannst beispielsweise mit drei bis fünf Minuten beginnen und später ausprobieren, ob zehn oder 15 Minuten für dich angenehm sind. Es gibt dabei keine feste Dauer, die für alle Menschen gleichermassen sinnvoll ist.

Gerade am Anfang fällt es oft schwer, die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen, und das ist völlig normal. Es braucht etwas Zeit und Übung, bis du dich besser auf deinen Atem konzentrieren und die entspannende Wirkung der Meditation wahrnehmen kannst. Sei deshalb geduldig mit dir selbst und erwarte nicht, dass es direkt klappt. Auch wenn du während der Meditation abschweifst, ist das ein ganz normaler Teil des Prozesses. Neben der Meditation können beispielsweise auch die progressive Muskelentspannung oder andere Entspannungstechniken hilfreich sein. Dabei spannst du einzelne Muskelgruppen bewusst an und entspannst sie anschliessend wieder. So kannst du körperliche Anspannung gezielt wahrnehmen und nach und nach lösen.

Bei einer Meditation als Entspannungstechnik sollte deshalb nicht der Leistungsdruck im Vordergrund stehen. Du musst nicht möglichst lange durchhalten oder jeden Tag meditieren. Eine kurze Übung kann hilfreicher sein als eine lange Einheit, die sich wie eine zusätzliche Aufgabe anfühlt.

Meditation im Alltag – eine kurze Übung für zwischendurch

Wenn du zwischendurch einen Moment zur Ruhe kommen möchtest, kannst du eine kurze Atemmeditation ausprobieren. Sie dauert nur wenige Minuten und lässt sich fast überall durchführen.

  1. Setze dich bequem hin und stelle beide Füsse auf den Boden.
  2. Atme ruhig ein und aus und richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem.
  3. Zähle beim Einatmen langsam bis 4 und beim Ausatmen bis 6.
  4. Wiederhole dies für etwa 5 Atemzüge.
  5. Lass deinen Atem danach wieder natürlich fliessen und beobachte ihn für einige weitere Atemzüge.
  6. Wenn Gedanken auftauchen, nimm sie wahr und kehre sanft zu deinem Atem zurück.

Du musst dabei nichts erzwingen. Die Zählung kann dir helfen, deine Aufmerksamkeit zu bündeln und für einen Moment Abstand von kreisenden Gedanken zu gewinnen.

Was, wenn du gar nicht mehr richtig zur Ruhe kommst?

Manchmal reichen kleine Pausen oder Entspannungsübungen allein nicht aus. Vielleicht kreisen deine Gedanken ständig, du fühlst dich dauerhaft angespannt oder selbst in ruhigen Momenten fällt es dir schwer, abzuschalten. Wenn dieser Zustand länger anhält, kann mehr dahinterstecken als ein stressiger Alltag. Auch anhaltende Belastungen, Ängste oder eine Depression können dazu beitragen, dass du nicht abschalten kannst. Ebenso können körperliche Beschwerden oder andere gesundheitliche Faktoren eine Rolle spielen.

Wenn du bemerkst, dass du über längere Zeit erschöpft, niedergeschlagen oder antriebslos bist oder dir Dinge kaum noch Freude bereiten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Entspannungsübungen können weiterhin eine hilfreiche Ergänzung sein, ersetzen aber nicht unbedingt die Unterstützung, die du möglicherweise brauchst. Sprich bei anhaltenden Beschwerden mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer psychotherapeutischen Fachperson. Du musst nicht erst völlig erschöpft sein, bevor du dir Hilfe holst.

Frühzeitige, individuelle Unterstützung erhältst du mit deprexis, einem digitalen Therapieprogramm zur Behandlung von Depressionen, das dich zeit- und ortsunabhängig begleitet. Mit auf dich zugeschnittenen Dialogen, Übungen zum Umgang mit nicht hilfreichen Gedanken und Stress sowie praktischen Strategien zur Selbsthilfe unterstützt dich deprexis auf deinem Weg zu mehr Wohlbefinden und Selbstfürsorge.

In der Schweiz ist deprexis mit einer ärztlichen Verordnung erhältlich und wird als digitale Gesundheitsanwendung (dGA) anteilig über die OKP erstattet. Dein Eigenanteil beträgt lediglich 78 CHF. Nach Erhalt der Verordnung reichst du diese bei der TopPharm Apotheke Paradeplatz AG oder MediService AG ein und erhältst anschliessend per E-Mail deinen persönlichen Freischaltcode. Diesen kannst du einfach auf der deprexis Website eingeben und direkt mit dem Programm starten.

Fazit – Meditation kann eine kleine Auszeit im Alltag sein

Eine Mediation zur Entspannung muss keine lange Übung auf einer Meditationsmatte bedeuten. Schon wenige Minuten können dabei helfen, bewusst innezuhalten und die Aufmerksamkeit weg von Stress und hin zum gegenwärtigen Moment zu lenken. Zusammenfassend zeigt die Forschung, dass Meditation das Wohlbefinden fördern und depressive Symptome sowie Stress lindern kann, jedoch individuell unterschiedlich wirkt und bei stärkeren Beschwerden keine professionelle Unterstützung ersetzt.

Atemmeditation, Bodyscan und Gehmeditation sind einfache Möglichkeiten, Meditation in den Alltag einzubauen. Welche Übung am besten passt, ist individuell. Vielleicht hilft dir eine kurze Atemmeditation am Morgen, ein Bodyscan vor dem Schlafengehen oder ein paar Minuten Gehmeditation zwischendurch.

Gerade bei depressiven Beschwerden kann es hilfreich sein, Entspannung nicht als weitere Aufgabe zu sehen. Es geht nicht darum, etwas perfekt zu machen. Meditation kann vielmehr eine kleine Möglichkeit sein, dir im Alltag bewusst Zeit für Ruhe und Erholung zu nehmen.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Selbsthilfe & Strategien

Für den Einstieg eignen sich besonders Atemmeditation, Bodyscan und Gehmeditation. Eine Atemmeditation kann mit Atemübungen zur Entspannung verbunden werden, während der Bodyscan den Fokus auf die Körperwahrnehmung legt. Welche Form der Meditation zur Entspannung für dich passend ist, hängt davon ab, was sich für dich angenehm und machbar anfühlt.

Ja. Meditation und Entspannung können sich gut ergänzen. Bei einer Meditation richtest du deine Aufmerksamkeit bewusst auf den Atem, den Körper oder eine Bewegung. Das kann dabei helfen, für einige Minuten Abstand von Stress und kreisenden Gedanken zu gewinnen. Meditationsübungen wie Atemmeditation, Bodyscan oder Gehmeditation lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren.

Meditation gegen Stress kann dabei unterstützen, Anspannung bewusster wahrzunehmen und für einen Moment zur Ruhe zu kommen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass achtsamkeitsbasierte Verfahren Stress und subjektiv empfundene Belastung reduzieren können. Bei depressiven Beschwerden kann Meditation eine ergänzende Möglichkeit sein. Sie ersetzt bei anhaltenden oder stärkeren Beschwerden jedoch keine professionelle Unterstützung.

Quellen

üch, D., & van Dixhoorn, J. (2020). Entspannungsverfahren. In Psychologie in der medizinischen Rehabilitation: Somatopsychologie und Verhaltensmedizin (pp. 197-208). Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.

Pascoe, M. C., Thompson, D. R., Jenkins, Z. M., & Ski, C. F. (2017). Mindfulness mediates the physiological markers of stress: Systematic review and meta-analysis. Journal of Psychiatric Research, 95, 156–178.

https://doi.org/10.1016/j.jpsychires.2017.08.004

West, M. (1979). Meditation. The British Journal of Psychiatry, 135(5), 457-467.

Schreiner, I., & Malcolm, J. P. (2008). The benefits of mindfulness meditation: Changes in emotional states of depression, anxiety, and stress. Behaviour Change, 25(3), 156-168.

Schulz, B. (2014). Entspannungstechniken. In Klinische Psychologie bei Querschnittlähmung: Psychologische und psychotherapeutische Interventionen bei psychischen, somatischen und psychosozialen Folgen (pp. 595-601). Vienna: Springer Vienna.