Welche Medikamente bei Depressionen helfen können, hängt vom Einzelfall ab. Bei mittleren bis starken Depressionen kann eine Psychotherapie durch ein Antidepressivum ergänzt werden. Manchen Menschen helfen auch schon pflanzliche Stimmungsaufheller. Und auch Begleitbeschwerden wie Schlafstörungen, Unruhe und Schmerzen können mit Medikamenten behandelt werden.
Welche Medikamente bei Depressionen helfen: Das Wichtigste kurz gefasst
- Antidepressiva sind bei mittleren bis starken Depressionen eine wichtige Ergänzung zur Psychotherapie. Sie lindern Symptome und beugen Rückfälle vor, am besten zusammen mit viel Selbsthilfe im Alltag.
- Pflanzliche Mittel können bei leichten depressiven Episoden Stimmungsaufheller sein. Wichtig ist, auf mögliche Wechselwirkungen zu achten.
- Begleitbeschwerden wie Schlafstörungen, Unruhe oder Schmerzen können gezielt mit Medikamenten behandelt werden – vorübergehend oder um die Zeit zu überbrücken, bis das Antidepressivum wirkt.
- Die Digitale Gesundheitsanwendung (dGA) deprexis unterstützt mit hilfreichem Wissen und gezielten Übungen und kann per Rezept an jedem Ort und zu jeder Zeit genutzt werden.
- Ein Notfallmedikament bei Depressionen gibt es nicht. In Krisen zählt Hilfe von echten Menschen: Nutze den Notruf 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder "Die Dargebotene Hand" unter 143.
Antidepressiva – Wirkung und Nebenwirkungen
Medikamente in Form von Antidepressiva werden in der Regel in Kombination mit einer Psychotherapie eingenommen – nach gemeinsamer Besprechung mit der behandelnden Ärztin oder Psychotherapeutin, dem Arzt oder Psychotherapeuten. Je nach Wirkstoff haben Antidepressiva unterschiedliche Prinzipien, wie sie wirken, und auch unterschiedliche Nebenwirkungen.
Wirkstoffe, Wirkung und Nebenwirkungen von Antidepressiva
- Wirkstoffgruppe: SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer)
Wirkprinzip: Erhöhen den Botenstoff Serotonin im Gehirn und gelten oft als Mittel der ersten Wahl.
Typische Nebenwirkungen: Übelkeit, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen. - Wirkstoffgruppe: SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer)
Wirkprinzip: Wirken zusätzlich auf den Botenstoff Noradrenalin, was den Antrieb fördern kann.
Typische Nebenwirkungen: Blutdruckprobleme, Übelkeit und Kopfschmerzen. - Wirkstoffgruppe: NaSSA (Noradrenerge und spezifisch-serotonerge Antidepressiva)
Wirkprinzip: Fördern oft Schlaf und Appetit.
Typische Nebenwirkungen: Tagesmüdigkeit und Gewichtszunahme. - Wirkstoffgruppe: NDRI (Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer)
Wirkprinzip: Wirken eher aktivierend. Können bei ausgeprägter Müdigkeit nützlich sein.
Typische Nebenwirkungen: Nicht ideal bei Angststörungen, Unruhe und Schlaflosigkeit. - Wirkstoffgruppe: Trizyklika (Trizyklische Antidepressiva)
Wirkprinzip: Sind wirksam, haben aber eine komplexe Wirkweise und mehr Nebenwirkungen.
Typische Nebenwirkungen: Mundtrockenheit, Verstopfung und Herzrhythmusstörungen.
Die Entscheidung, welche Medikamente bei Depressionen in deinem Fall geeignet sind, triffst du immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Ihr besprecht, welche Beschwerden im Vordergrund stehen, welche Nebenwirkungen du unbedingt vermeiden willst und welche Erfahrungen es vielleicht schon gab.
Dauer der Wirkung und Einnahme
Es ist ganz normal, wenn du dich nach der Einnahme nicht sofort besser fühlst. Viele spüren erste leichte Verbesserungen nach ein bis zwei Wochen. Deutliche Veränderungen zeigen sich oft erst nach mehreren Wochen. Wenn nach vier bis sechs Wochen noch keine klare Besserung da ist, kann ein Wechsel des Mittels nötig sein. Ist die Besserung eingetreten, wird die Behandlung meist sechs bis zwölf Monate fortgeführt, um Rückfälle zu vermeiden. Das Absetzen erfolgt danach immer schrittweise und in enger Absprache mit deinem Behandlungsteam.
Zu den Nebenwirkungen
Gerade zu Beginn der Einnahme von Antidepressiva können Beschwerden wie Unruhe, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder sexuelle Probleme auftreten. Auch wenn das belastend ist: Diese Nebenwirkungen sind oft vorübergehend. Schränken dich die Nebenwirkungen stark ein, wird dein Arzt die Einnahme des Mittels anpassen oder auf ein anderes Antidepressivum wechseln.
Das sogenannte Serotoninsyndrom ist eine seltene, aber ernsthafte Reaktion. Es kann entstehen, wenn du Mittel, die den Serotoninspiegel erhöhen, miteinander kombinierst, beispielsweise ein SSRI zusammen mit bestimmten Migränemitteln oder einem anderen Antidepressivum. Die Anzeichen in einem solchen Fall sind Unruhe, starkes Zittern, übermässiges Schwitzen, Fieber oder Durchfall. Suche dann sofort medizinische Hilfe.
Wichtig: Alkohol verstärkt die Nebenwirkungen vieler Antidepressiva und sollte nach Möglichkeit stark reduziert oder gemieden werden.
Digitaler Begleiter deprexis
Die Digitale Gesundheitsanwendung (dGA) deprexis bietet interaktive Übungen, Wissensvermittlung und praktische Hilfe im Alltag bei Menschen mit Depression. Du kannst sie von deiner Fachärztin oder deinem Facharzt verschrieben bekommen und die Kosten werden anteilig von der OKP übernommen. deprexis kann eine Therapie sinnvoll ergänzen und Wartezeiten überbrücken.
Begleitbeschwerden behandeln
Die wichtigste Form der Behandlung bleibt die Psychotherapie – ggf. ergänzt um Antidepressiva. Schlafmangel oder Schmerzen können eine Depression zusätzlich verstärken. Deshalb ist es wichtig, diese Begleitbeschwerden gezielt mitzubehandeln. Im Vordergrund stehen dabei immer nichtmedikamentöse Ansätze, Medikamente sollten nur kurzfristig eingenommen werden.
Schlafprobleme
Schlechter und unruhiger Schlaf macht die Lage oft schlimmer. Dein Arzt kann dir für wenige Tage oder Wochen beruhigende Mittel verschreiben, um dich zu entlasten. Zusätzlich helfen dir feste Schlafenszeiten, eine Handy-Pause vor dem Schlafengehen und viel Tageslicht nach dem Aufwachen am Morgen.
Angst und Unruhe
Starke innere Unruhe kann quälend sein. In manchen Fällen können kurzzeitig beruhigende Mittel (zum Beispiel Benzodiazepine) eingesetzt werden, während das Antidepressivum noch seine Wirkung aufbaut. Wegen des Abhängigkeitsrisikos empfehlen Ärzt:innen nur die Einnahme kleiner Dosen über einen sehr begrenzten Zeitraum. Sehr viel gesünder sind Atem- und Achtsamkeitsübungen und vor allem tägliche Bewegung.
Schmerzen
Viele Menschen greifen bei Schmerzen schnell zu Ibuprofen. Aber Vorsicht: Wenn du Ibuprofen zusammen mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) einnimmst, erhöht sich das Risiko für Magen-Darm-Blutungen. Sprich bei Bedarf unbedingt mit deinem Arzt über Alternativen, die deinen Magen und Darm schützen. Nimm Schmerzmittel nie dauerhaft ohne ärztliche Rücksprache.
Pflanzliche Antidepressiva und Stimmungsaufheller
Du fragst dich, ob es sanfte Mittel gibt, bevor verschreibungspflichtige Medikamente zum Einsatz kommen? Gerade bei leichten depressiven Episoden können pflanzliche Mittel eine Hilfe sein, um deine Stimmung aufzuhellen.
Johanniskraut: Natürlicher Stimmungsaufheller mit hohem Risiko
Der bekannteste pflanzliche Stimmungsaufheller ist das Johanniskraut (Hypericum perforatum). Es kann bei leichten Depressionen wirksam sein. Allerdings hat es einen grossen Haken: Es hat starke Wechselwirkungen mit sehr vielen anderen Medikamenten.
Wichtig: Johanniskraut kann die Wirksamkeit anderer Arzneimittel massiv beeinflussen. Es kann zum Beispiel die Wirkung der Antibabypille abschwächen oder die Wirkung von Blutverdünnern verändern. Nimm es deshalb nur nach Rücksprache mit deiner Arztpraxis oder Apotheke.
Andere pflanzliche Helfer bei Begleitbeschwerden
Neben Johanniskraut gibt es weitere Pflanzenstoffe, die oft bei begleitender Unruhe und Schlafproblemen eingesetzt werden, aber keine reinen Antidepressiva sind:
- Baldrian und Hopfen (oft in Kombination) werden traditionell zur Beruhigung und bei Einschlafschwierigkeiten genutzt.
- Lavendel (Lavandula) in Kapselform wird zur Behandlung von Angst- und Unruhezuständen genutzt.
- Passionsblume (Passiflora) kommt ebenfalls zur Beruhigung bei nervöser Unruhe zum Einsatz.
Rezeptfreie Mittel sind keine Therapie
Abgesehen von Johanniskraut gibt es kein frei verkäufliches Mittel, das eine mittelschwere oder schwere Depression zuverlässig behandeln kann. Mittel gegen Schlafstörungen, wie das bereits erwähnte Doxylamin (Hoggar Night), sind höchstens kurzfristige Hilfen beim Einschlafen. Sie behandeln nicht die Depression selbst.
Wenn deine Beschwerden anhalten oder sich verschlimmern, sprich bitte mit deinem Arzt über eine leitliniengerechte Therapie, die auch Antidepressiva umfassen kann.
Kein Notfallmedikament bei Depressionen
Wir haben es schon erwähnt: Ein Notfallmedikament bei Depressionen wird häufig nachgefragt – gibt es aber nicht. Wenn es dir sehr schlecht geht und du dich in einer Krise befindest, helfen dir vor allem echte Menschen und ein Behandlungsplan. Lege dir deshalb wichtige Nummern zurecht, sprich mit einer Vertrauensperson und nutze die professionellen Hilfsangebote.
Soforthilfe in Deutschland
- Notfall: Akute Gefahr/Lebensgefahr
Nummer/Angebot: 112 oder 144 Notruf des Rettungsdienstes
Verfügbarkeit: Rund um die Uhr - Notfall: "Die Dargebotene Hand" Telefonseelsorge
Nummer/Angebot: 143
Verfügbarkeit: Rund um die Uhr