Psychotherapie bei Depressionen: Formen, Kosten und einen Platz finden
Zusammenfassung

Eine Psychotherapie ist bei Depressionen die wichtigste und wirkungsvollste Form der Behandlung. Sie setzt bei den Ursachen an und führt dich Schritt für Schritt zurück ins Leben. Erfahre, welche Therapieformen es gibt, wie der Start in die Therapie genau funktioniert und welche Rolle die Krankenkasse dabei spielt.

Psychotherapie bei Depressionen: Das Wichtigste kurz gefasst

  • Wirksam: Eine Psychotherapie ist die wichtigste Form der Behandlung bei Depressionen. Ihre Wirkung ist wissenschaftlich nachgewiesen.
  • Kassenleistung: Psychologische Psychotherapie kann in der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden. Dafür braucht es eine ärztliche Anordnung. Die anordnende Ärztin oder der anordnende Arzt kann unter anderem aus der Allgemeinen Inneren Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendmedizin oder Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie kommen.
  • Therapieformen: Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), tiefenpsychologisch fundierte, analytische und systemische Therapien werden in der Regel übernommen.
  • Die Entscheidung für eine Therapieform richtet sich auch nach deinen persönlichen Zielen und der Passung zur Therapeutin oder zum Therapeuten – die Chemie sollte stimmen.
  • Der Weg zur Psychotherapie: In der Schweiz kannst du zunächst eine Ärztin oder einen Arzt kontaktieren und eine ärztliche Anordnung für psychologische Psychotherapie erhalten. Mit dieser kannst du dich an eine entsprechend zugelassene psychologische Psychotherapeutin oder einen psychologischen Psychotherapeuten wenden. Pro ärztlicher Anordnung können grundsätzlich bis zu 15 Sitzungen durchgeführt werden.
  • Wartezeit überbrücken: Wenn du auf den Start der Therapie warten musst, kann dich eine digitale Gesundheitsanwendung (dGA) wie deprexis im Alltag mit Informationen, einem hilfreichen Dialog und mit wirksamen Übungen unterstützen.
  • Bei ersten Suizidgedanken handele bitte sofort: Wähle dann die kostenlose Notrufnummer 112 oder 144 oder wende dich an "Die Dargebotene Hand" unter 143.

Therapieformen bei Depressionen im Überblick

Die psychotherapeutische Behandlung einer Depression stützt sich auf mehrere wissenschaftlich geprüfte und anerkannte Verfahren. Unabhängig vom Verfahren der jeweiligen Therapieform verfolgen alle dasselbe übergeordnete Ziel: die Symptome zu lindern, Rückfällen vorzubeugen und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Eine offizielle medizinische Leitlinie legt fest, wie dieses Ziel erreichbar ist. Sie ist so etwas wie ein Handbuch für Ärzt:innen und Therapeut:innen, das auf der Grundlage bester wissenschaftlicher Beweise festlegt, wie eine Depression am besten diagnostiziert und behandelt werden muss. Sie empfiehlt eine Psychotherapie bei allen Schweregraden. Je nach der individuellen Situation und Wunsch der oder des Betroffenen kann die Psychotherapie auch mit Medikamenten in Form von Antidepressiva kombiniert werden.

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

  • Fokus der Therapie: Setzt bei ungünstigen Denk- und Verhaltensmustern an. Sie hilft, diese praktisch zu verändern. Wirksam bei allen Schweregraden.
  • Das passiert in der Therapie: Du lernst, aktiv zu werden: Du erkennst dysfunktionale Gedanken und Verhaltensroutinen und entwickelst neue Strategien – etwa durch den Aufbau von Aktivität, dem Training von Problemlösungen und der Vorbeugung von Rückfällen.

Tiefenpsychologisch fundierte und Analytische Psychotherapie

  • Fokus der Therapie: Diese psychodynamischen Verfahren arbeiten intensiv mit biografischen Erlebnissen und aktuellen Beziehungsmustern. Sie kommen häufig bei wiederkehrenden Mustern zum Einsatz.
  • Das passiert in der Therapie: Konflikte verstehen: Du erforschst, wie unbewusste Konflikte aus der Vergangenheit dein aktuelles Erleben prägen, um neue Bewältigungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Systemische Therapie

  • Fokus der Therapie: Stellt das gesamte Beziehungssystem (Familie, Partnerschaft, soziales Umfeld) in den Mittelpunkt.
  • Das passiert in der Therapie: Blick aufs Ganze: Du arbeitest daran, die Muster und Dynamiken in deinem sozialen Umfeld zu verändern, um Entlastung für dich selbst und dein Umfeld zu schaffen.

Interpersonelle Therapie (IPT)

  • Fokus der Therapie: Fokussiert klar auf aktuelle Rollenwechsel, Trauerprozesse, Konflikte und soziale Defizite.
  • Das passiert in der Therapie: Soziale Herausforderungen meistern: Du bearbeitest gezielt deine aktuellen zwischenmenschlichen Probleme, um deine sozialen Kompetenzen und deine Integration zu stärken.

Welche Therapieform für dich am besten ist, hängt von deinen persönlichen Zielen, der Stärke deiner Symptome und vor allem davon ab, wie gut die Methode und die Therapeutin oder der Therapeut zu dir passen. Die psychotherapeutische Sprechstunde ist eine gute Gelegenheit, die Person und die angebotene Methode kennenzulernen und zu schauen, ob beides passt.

So funktioniert der Start in die Therapie

Der Gedanke an den Start in die Psychotherapie mag sich anfühlen wie ein Schritt ins Ungewisse, doch der Weg ist klar und strukturiert: Diese feste Abfolge hilft dir, die Orientierung zu behalten und trotz Depressionen aktiv den nächsten Schritt zu gehen.

Einen Termin finden

Die erste Anlaufstelle kann deine Hausärztin oder dein Hausarzt sein. Sie oder er kann deine Beschwerden zunächst medizinisch einschätzen, eine erste Diagnose stellen und – falls eine psychologische Psychotherapie sinnvoll ist – eine Überweisung an entsprechende Fachärzt:innen ausstellen. Fachärzt:innen können dir im Anschluss eine psychologische Psychotherapie anordnen, darunter Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Allgemeine Innere Medizin und Kinder- und Jugendmedizin sowie Ärzt:innen mit dem interdisziplinären Schwerpunkt Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM).

Bei einer akuten psychischen Krise solltest du nicht auf einen regulären Therapieplatz warten. Bei unmittelbarer Gefahr erreichst du den Rettungsdienst unter 144. Die Dargebotene Hand ist rund um die Uhr anonym und kostenlos unter 143 erreichbar.

Ärztliche Anordnung und Beginn der Therapie

Damit psychologische Psychotherapie über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden kann, braucht es in der Schweiz grundsätzlich eine ärztliche Anordnung.

Bei einer regulären psychologischen Psychotherapie können pro ärztlicher Anordnung maximal 15 Sitzungen durchgeführt werden. Nach einem Austausch zwischen der anordnenden Ärztin oder dem anordnenden Arzt und der behandelnden Psychotherapeutin oder dem behandelnden Psychotherapeuten können weitere 15 Sitzungen angeordnet werden. Soll die Therapie nach insgesamt 30 Sitzungen weitergeführt werden, ist eine Kostengutsprache des Versicherers erforderlich. Dafür wird unter anderem eine Fallbeurteilung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie benötigt.

Realistische Erwartungen – Psychotherapie bei Depressionen

Viele Menschen, die erste Erfahrungen mit einer Psychotherapie bei einer Depression machen, berichten, dass bereits nach den ersten Wochen eine Besserung eintritt. Später folgen dann eine spürbar bessere Stimmung, ein gestärktes Selbstwertgefühl und die Fähigkeit, das eigene Leben wieder aktiv gestalten zu können.

Passende:n Therapeut:in wählen

Die Wahl des richtigen Menschen für deine Behandlung ist entscheidend. Denn die Qualität der therapeutischen Beziehung ist einer der stärksten Wirkfaktoren für den Therapieerfolg.

  • Qualifikation und Zulassung

Wenn deine Psychotherapie über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden soll, solltest du darauf achten, dass die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut entsprechend zugelassen ist. Psychologische Psychotherapeut benötigen unter anderem einen eidgenössischen oder anerkannten ausländischen Weiterbildungstitel in Psychotherapie sowie eine kantonale Bewilligung zur Berufsausübung. Für eine Tätigkeit zulasten der OKP gelten zusätzliche Zulassungsvoraussetzungen. Ob eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut über die entsprechenden Voraussetzungen verfügt, kannst du im Schweizer Psychologieberuferegister (PsyReg) überprüfen. Dort sind unter anderem anerkannte Weiterbildungstitel und Berufsausübungsbewilligungen ersichtlich.

  • Stimmt die Chemie?

Wenn es menschlich nicht passt, darfst du wechseln. Es ist absolut legitim und oft sogar hilfreich, dies frühzeitig in den Probesitzungen anzusprechen. Eine gute therapeutische Beziehung ist die Basis, um tiefgreifende Veränderungen zu ermöglichen.

  • Wo findet die Therapie statt?

Die Behandlung kann in verschiedenen Settings erfolgen:

  • Ambulant: Im Regelfall findet die Therapie in den Praxisräumen der Psychotherapeutin oder des Psychotherapeuten statt.
  • Video: Auch Therapiesitzungen per Videokonferenz sind möglich, wenn diese seitens der Psychotherapeutin oder des Psychotherapeuten datenschutzkonform gestaltet werden.
  • Gruppe: Ergänzend zu den Einzelsitzungen können je nach Methode auch Therapiesitzungen in der Gruppe stattfinden.
  • Tagesklinik: Psychotherapien können auch in Tageskliniken stattfinden, was kaum einen Unterschied zur Praxis der Psychotherapeutin oder des Psychotherapeuten macht.
  • Stationär: Für eine Akutbehandlung kann ein Aufenthalt in einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik sinnvoll sein.

Insbesondere bei starken Depressionen oder wenn ambulant keine zeitnahe Versorgung zu finden ist, lohnt sich die Überlegung, in eine Klinik zu gehen.

  • Kosten & Zugang

Psychologische Psychotherapie kann in der Schweiz unter bestimmten Voraussetzungen über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden. Voraussetzung ist insbesondere eine ärztliche Anordnung und eine entsprechend zugelassene psychologische Psychotherapeutin bzw. ein entsprechend zugelassener psychologischer Psychotherapeut.

Wichtig: Die Kosten werden nicht automatisch vollständig von der Krankenkasse übernommen. Wie bei anderen Leistungen der Grundversicherung gelten grundsätzlich Franchise und Selbstbehalt. Erwachsene tragen in der Regel zunächst die gewählte Franchise und anschliessend 10 % der darüber hinausgehenden Kosten bis zum gesetzlichen jährlichen Maximum.

Wenn eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut nicht zulasten der OKP zugelassen ist, werden die Kosten nicht automatisch von der Grundversicherung übernommen. In diesem Fall solltest du vor Beginn der Behandlung bei deiner Krankenkasse klären, ob und in welchem Umfang eine Kostenübernahme möglich ist – beispielsweise über eine Zusatzversicherung oder als Selbstzahler:in.

Wartezeit bis zum Start der Therapie überbrücken

Auf einen Therapieplatz warten zu müssen, kann belastend sein. Dennoch kannst du in dieser Zeit aktiv und selbstbestimmt handeln, um die Symptome zu lindern – dies ersetzt zwar nicht die eigentliche Behandlung, kann aber die Wartezeit leichter machen und die Stabilität verbessern.

Ärztliche Begleitung

Sprich regelmässig mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt über deine Symptome, die Möglichkeit einer Krankschreibung und eventuell auch über Medikamente, die dich entlasten können. Du bist nicht allein!

Selbsthilfe & Alltag

Auch wenn du auf den Therapiebeginn wartest, kannst du aktiv werden: Baue feste Strukturen in deinen Tagesablauf ein, sorge für regelmässige körperliche Aktivität, achte auf eine gute Schlafhygiene und pflege deine sozialen Kontakte. All diese Schritte sind wissenschaftlich belegte Bausteine, die die Symptome nachweislich mildern können, während du wartest. Setze Dir dabei kleine, erreichbare Ziele, um das wichtige Gefühl der Selbstwirksamkeit – dass du Dinge bewirken kannst – aktiv zu stärken.

Digitale Unterstützung (als Ergänzung)

Als eine wertvolle Ergänzung kann dir die digitale Gesundheitsanwendung (dGA) deprexis in der Wartezeit beistehen. Dieses interaktive Online-Programm wurde entwickelt, um dich bei Depressionen zu unterstützen und dir gezielte Inhalte zu liefern. Du kannst du es dir von deiner Fachärztin oder deinem Facharzt verordnen lassen und die Kosten werden anteilig von der OKP übernommen.

Die wichtigsten Fragen & Antworten

Behandlung & Therapie

Wenn du vermutest, an einer Depression zu leiden, kannst du dich zunächst an deine Hausärztin oder deinen Hausarzt wenden. Auch eine psychologische Psychotherapeutin oder ein psychologischer Psychotherapeut kann eine geeignete Anlaufstelle sein. Für eine Psychotherapie zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) ist grundsätzlich eine ärztliche Anordnung erforderlich.

Auch die psychologische Beratungsstelle deiner Hochschule kann dich bei der Suche nach Unterstützung beraten. Bei einer akuten Krise erreichst du den Rettungsdienst unter 144. Die Dargebotene Hand bietet unter 143 rund um die Uhr anonyme und kostenlose Unterstützung.

Ja, psychologische Psychotherapie kann unter bestimmten Voraussetzungen über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden. Dafür brauchst du grundsätzlich eine ärztliche Anordnung und musst dich bei einer entsprechend zugelassenen psychologischen Psychotherapeutin oder einem zugelassenen psychologischen Psychotherapeuten behandeln lassen.

Die Kostenübernahme erfolgt im Rahmen der Grundversicherung. Dabei gelten Franchise und Selbstbehalt, sodass die Behandlung nicht zwangsläufig vollständig ohne eigene Kosten bleibt. Wenn du eine Psychotherapie bei einer nicht OKP-zugelassenen Fachperson beginnen möchtest, solltest du vorab mit deiner Krankenkasse klären, ob eine Kostenübernahme beispielsweise über eine Zusatzversicherung möglich ist.

Quellen