Der Wunsch, Depressionen mit einer pflanzlichen Therapie zu behandeln, ist weit verbreitet. Erfahre, was eine pflanzliche Therapie genau bedeutet, welche Pflanzen bei Depressionen nachweislich helfen und wo die Grenzen einer solchen Behandlung liegen.
Depressionen pflanzliche Therapie: Das Wichtigste kurz gefasst
- Eine pflanzliche Therapie – auch Phytotherapie genannt – kann bei leichten bis mittelschweren Depressionen wirksam sein. Homöopathie, die stark verdünnte "Globuli" verwendet, hat bei Depressionen keine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung.
- Johanniskraut kann nachweislich helfen, die Haut jedoch lichtempfindlich machen und zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten verursachen.
- Safran hat ebenfalls eine nachgewiesene positive Wirkung auf Depressionssymptome.
- Lavendel, als Präparat unter Silexan bekannt, hilft gegen Angstzustände, auch das ist wissenschaftlich nachgewiesen.
- Rhodiola, auch bekannt als Rosenwurz, ist eine traditionelle Heilpflanze, die laut erster Studien einen Nutzen bei milder bis mittelgradiger Depression haben kann.
- Griffonia, die afrikanische Schwarzbohne, kann die Stimmung aufhellen. Der wissenschaftliche Nachweis ist jedoch (noch) sehr dünn.
- Therapie: Die besten Erfolge zeigt eine Psychotherapie in Form einer Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), bei mittleren und schweren Depressionen kann diese mit Antidepressiva ergänzt werden.
- deprexis ist eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), die auf Basis der Prinzipien der Kognitiven Verhaltenstherapie eine tägliche Begleitung bei Depressionen anbietet.
Phytotherapie vs. Homöopathie
Phytotherapie und Homöopathie sind zwei unterschiedliche Ansätze in der alternativen Medizin.
Die Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde ist die Lehre von der Verwendung von Pflanzen als Arzneimittel. Sie gilt als die älteste Form der Medizin. Sie basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Wirkstoffe in Pflanzen, die in Tinkturen, Extrakten, Tees oder Kapseln verwendet werden. Die Wirkung ist oft durch chemische und pharmakologische Studien belegt. Viele moderne Medikamente wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS, ursprünglich aus der Weidenrinde) oder Digitalis (aus dem Fingerhut), haben pflanzliche Ursprünge. Phytotherapie ist in der Schulmedizin relativ gut etabliert und wird oft ergänzend eingesetzt. Sie unterliegt in vielen Ländern, einschließlich Deutschland, der Arzneimittelgesetzgebung.
Die Homöopathie wurde Ende des 18. Jahrhunderts vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann entwickelt. Sie basiert auf drei Kernprinzipien. 1. Eine Substanz, die bei einem gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorruft, kann ähnliche Symptome bei einem kranken Menschen heilen. 2. Die Wirkstoffe werden extrem verdünnt. 3. Die Behandlung zielt auf die Gesamtheit der Symptome und die individuelle Konstitution des Patienten ab, nicht nur auf die Krankheit selbst. Die Wirksamkeit der Homöopathie konnte in den meisten wissenschaftlichen Studien nicht belegt werden. Trotzdem werden die Kosten von einigen gesetzlichen Krankenkassen als freiwillige Satzungsleistung übernommen.
- Phytotherapie:
Das wird eingenommen: Standardisierte und konzentrierte Pflanzenextrakte.
Wissenschaftliche Grundlage: Die Zusammensetzung ist definiert und wissenschaftlich prüfbar, bestimmte Pflanzen zeigen eine wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung.
- Homöopathie:
Das wird eingenommen: Stark verdünnte „Globuli“ – kein nachweisbarer Wirkstoff.
Wissenschaftliche Grundlage: Kein belastbarer Nachweis bei Depressionen.
Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Johanniskraut-Extrakte sind das am besten untersuchte pflanzliche Mittel gegen Depressionen.
- Nutzen: Zahlreiche Studien und Reviews zeigen, dass standardisierte Johanniskraut-Extrakte wirksam sein können. Für leichte bis mittelgradige depressive Episoden sind sie in der Wirksamkeit in etwa vergleichbar mit Antidepressiva.
- Einordnung: Die Medizin ordnet Johanniskraut als Phytopharmakon ein. Die Wirkung hängt vom jeweiligen Präparat ab.
- Risiko: Johanniskraut kann die Aktivität von bestimmten Enzymen und Transportern im Körper massiv erhöhen. Dadurch kann die Wirkung von Medikamenten wie zum Beispiel der Antibabypille, HIV-Präparaten oder Mitteln zur Verlangsamung der Blutgerinnung senken. In Kombination mit gängigen Antidepressiva (SSRI/SNRI) kann ein sogenanntes Serotonin-Syndrom entstehen, was gefährlich ist. Außerdem macht es die Haut lichtempfindlich, was zum Beispiel zu Pigmentflecken führen kann. Vor der Einnahme sollten diese Punkte mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.
Safran (Crocus sativus)
Safran wird das “Mittel gegen Depressionen ohne Johanniskraut” genannt – also als die Alternative zu Johanniskraut gesehen.
- Nutzen: Studien bescheinigen Safran eine signifikante Verbesserung von Depressionssymptomen. Ebenso wie Johanniskraut zeigte Safran eine vergleichbare Wirkung wie ein Antidepressivum.
- Einordnung: Der wissenschaftliche Nachweis ist noch nicht ausreichend. Dafür sind mehrere Studien erforderlich.
- Risiko: Keine Risiken bekannt. Die Wirkung kann sich von Produkt zu Produkt unterscheiden.
Rhodiola (Rhodiola rosea)
Rhodiola ist eine weitere Option, wenn du dich fragst, welches pflanzliche Mittel bei Depressionen hilft.
- Nutzen: Laut Studien kann es bei leichten Depressionen helfen. Die Verträglichkeit ist zwar besser, aber die Wirkung ist schwächer als die eines Antidepressivums.
- Einordnung: Gut für Menschen, die unter einer leichten Depression leiden und kein Antidepressivum nehmen möchten und ein pflanzliches Mittel vorziehen.
- Risiko: Zu Rhodiola sind nur wenige Neben- und Wechselwirkungen bekannt. Wenn du sicher gehen willst, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Lavendel (Silexan)
- Nutzen: Lavendel-Präparate (wie Silexan) sind vor allem für ihre angstlösende Wirkung bekannt. Für Betroffene mit einer Mischung aus Angstzustand und Depression kann dies in Frage kommen.
- Einordnung: Die wissenschaftlichen Belege für eine Wirkung sind in diesem Fall noch nicht ausreichend.
- Risiko: Lavendel wird allgemein als gut verträglich eingeschätzt, kann aber in seltenen Fällen Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Reaktionen auslösen.
Griffonia (Griffonia simplicifolia, Afrikanische Schwarzbohne)
- Nutzen: Die afrikanische Schwarzbohne wird wegen ihres natürlichen 5-HTP-Gehalts – diese Aminosäure braucht der Körper zur Herstellung des Stimmungshormons Serotonin – oft als pflanzliches Mittel zur Stimmungsaufhellung genutzt.
- Einordnung: Der wissenschaftliche Nachweis für eine klare antidepressive Wirkung bei Depressionen ist aktuell noch sehr dünn. Es fehlen große, belastbare Studien, um eine sichere Empfehlung auszusprechen.
- Risiko: Da Griffonia im Körper zu Serotonin umgewandelt wird, besteht theoretisch die Gefahr von Wechselwirkungen mit klassischen Antidepressiva.
Wer von pflanzlichen Mitteln profitieren kann
Eine Phytotherapie kann dir Halt geben, wenn du von einer leichten Depression betroffen bist, du pflanzliche Mittel bevorzugst und keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu befürchten sind. Auch wenn die pflanzlichen Mittel frei verfügbar sind: Ein Vorgespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt bietet dir zusätzliche Sicherheit und eine professionelle Verlaufskontrolle.
Ist eine Phytotherapie für dich geeignet?
Ja:
- Du bist von einer milden bis mittelgradigen Depression betroffen.
- Du wünschst dir eine naturbasierte Behandlung.
- Du bist bereit zu einer Verlaufskontrolle mit Hilfe eines Tagebuchs oder im Rahmen von Arztterminen.
- Bei dir sind keine relevanten Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu erwarten.
Nein:
- Du erlebst gerade eine schwere depressive Episode.
- Du hast eine bipolare Störung.
- Du bist schwanger oder du stillst.
- Bei dir sind relevante Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu erwarten (Antibabypille, HIV-Mittel, Mittel zur Verlangsamung der Blutgerinnung).
Digitale Unterstützung mit deprexis
deprexis ist eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA), die speziell für Menschen mit Depressionen entwickelt wurde. Das Programm basiert auf den Wirkungsprinzipien der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) und leitet dich Schritt für Schritt an. Es kann dir helfen, deinen Alltag zu strukturieren und dein Selbstmanagement zu stärken. Die Nutzung wird in der Regel von den Krankenkassen erstattet. Ein Rezept erstellt deine Hausarztpraxis.